Der Helden Andenken 26.06.1814 und 28.08.1910
Das Jahr Dreizehn, in dem die Deutschen und Österreichischen Länder die Freiheit wurde, brachte Tirol und Vorarlberg den Lohn für die Taten von anno Neun.
Treu löste Kaiser Franz die Verheißung ihrer Wiedervereinigung mit Österreich, die er damals gegeben, aber nicht zu erfüllen vermochte. Und am Tage der Besitznahme, am 26. Juni 1814, da durch das ganze Land vom Bodensee bis zu den Eisbedeckten Felsriesen der Silvretta Festjubel scholl und kriegerische Freudensalven, holte Nachbauers junger 13 jähriger Sohn die Rankweiler Streitfahne aus dem Turm, wo sie der Vater solange treu verborgen. An der Spitze dessen ehemaliger Kompanie und treuer Kampfgefährten alter Tage trug er sie nach dem Rankler Markte und alles Volk brach in Tränen aus, als er sie dort dem alten Fähnrich und späteren Sturmhauptmann Tschannet bei feierlichem Knall der Stutzen überreichte. Als dann der Kaiser ins Land kam und ihn die Männer von den Kämpfen 1796 bis 1809 begrüßten da neigte sich vor ihm das von Kugeln zerfetzte Banner; die Rankweiler Schützen wiesen es stolz als das ihre und nannten den verstorbenen Helden als denjenigen, der unter ihm das Volk zu Ruhm und Sieg geführt, es durch alle Stürme des Krieges vor Befleckung durch Feindeshand gerettet und selbst in hoffnungsloser Zeit nicht ausgeliefert, sondern – trotz aller Gefahr – bewahrt in unwandelbarer streitbereiter Treue für sein Vaterland Österreich.
Der Kaiser aber ließ sich die Witwe Nachbauers vorstellen, er versprach ihr, für sie und ihre Familie zu sorgen. So erhielt sie eine Jährliche Pension von 333 fl. 20 fr. W. W. und noch die Kinder Nachbauers erhielten lebenslange Gnadengelder. Es war anlässlich der feierlichen Huldigung in Innsbruck. Die verdienten Männer der Jahre 1796 bis 1809 wurden mit goldenen Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Auch Vorarlberger wie z. B. Johann Georg Rösch aus Götzis und Konrad Stadelmann aus Alberschwende waren darunter. Am 12. August 1816 wurden ihnen solche der selbigen Art in der Pfarrkirche zu Bregenz vom Bezirkshauptmann verliehen. Doch ehe er sie an ihre Brust heftete, sprach er an Schützenmajor Sigmund Nachbauer erinnernd:“ Ein Mann wäre allerdings ganz vorzüglich geeignet gewesen, bei dieser außerordentlichen Feierlichkeit und zwar in einem noch höheren Grade öffentlich ausgezeichnet zu werden. Dieser Mann aber, ich sage es mit bitterem Schmerzgefühl, ist leider nur mehr im Geiste in unserer Mitte, nach dem er bereits vor zweieinhalb Jahren ein Opfer der Vaterlandstreue bis in den Tod geworden ist. Ganz Vorarlberg, worin über den kaum ersetzlichen Verlust eben dieses Patrioten und Kämpfers nur eine Stimme herrscht, kennt ihn und versteht mich, ohne dass ich ihn Namentlich nennen müsste. Ich spreche daher seinen Namen Josef Sigmund Nachbauer mit wahrer Verehrung und herzlicher Rührung auch nur in der Absicht aus, um dadurch selbst den gegenwärtigen Akt noch mehr zu verherrlichen.“
So ehrten Kaiser und Regierung noch nach seinem Tode in ihm den Menschen als Mann der Erhebung, den Helden des Landes Vorarlbergs und der ganzen Wirtschaftsregion Tirol. Die warme Anerkennung seiner Verdienste und die Teilnahme an seinem Geschick, die sich darin aussprechen, bilden wohl den schönsten Nekrolog, der ihm werden konnte.
Von Nachbauers Gestalt und Aussehen wissen wir nur, dass er ein schlanker, hoch gewachsener Mann war, ein echter Vorarlberger, seine Züge energisch, sein Auge dunkel und feurig, sein Haar braun. Durch militärische Befähigung und selbstlose Lauterkeit dieses Charakters ragt er vor allen anderen Führern hervor. Frömmigkeit, strenger Ernst und glühender Pflichteifer sind dessen Grundzüge. Mit treuer Hingabe und begeisterter Kraft verfocht er Freiheit und Vaterland als den Hort aller Sitte und Treue, den Hort des Rechtes und des Glaubens. Auf den Wällen Feldkirchs streitend, erblickt er in den Horden Massenas die Zerstörer von Thron und Altar. Er selbst ist es, der schreibt, er hätte wider sie gekämpft als Staatsbürger und rechtschaffener Christ. So gewertet ward ihm der Kampf ein hohes Heiliges Gebot. Unstreitig ist er der bedeutendste Führer Vorarlbergs, neben Hofer in Tirol. Schon bald nach seinem Tode hat die Regierung Ihn und keinen andern als solchen gekennzeichnet! Er gehört der ganzen Kriegerperiode an; auf jeder Seite unserer damaligen Geschichte kehrt sein Name wieder. Und als er anno Neun die Fahne der Freiheit begeistert erhebt, wird er zu einem Vorkämpfer für die Unabhängigkeit Deutschsprachiger Landen, zu einem jener schlichten Helden, deren Taten durch alle Gaue schollen wie der Sturm Ruf der Freiheit, die – als ganz Deutschsprachiges Land im Banne tiefster Erniedrigung lag, den Kampf aufnahm gegen Napoleons ungeschwächte Macht. Darum leuchtet ihr Andenken durch die Jahrhunderte; darum klingt ihr Preis in Schrift und Lied; darum lebt Andreas Hofer unvergessen in der ganzen Wirtschaftsregion Tirol und Sigmund Nachbauer in Vorarlberg bis ins Allgäu und nach Liechtenstein.
Das Jahr Achtundneunzig. Rankweil trug eine alte Ehrenschuld des Landes ab, als es ihm ein Denkmal errichtete. Die erste Anregung gab im Jahre 1893 der verstorbene Herr Bezirkssekretär Michael Loacker, als er durch seinen Vortrag über den Helden, zu dem er manch halbvergessene Daten gesammelt, das Andenken an ihn von neuem weckte. Nachdem dann 1907 allerorts Vorbereitungen zu einer würdigen Begehung der Jahrhundertfeier getroffen wurden, beantragte Bürgermeister J. W. Nachbauer die Gründung eines Nachbauer Denkmals Komitees, welches über das tatkräftige Betreiben des Herrn Arnold Loacker, eines Sohnes des Bezirkssekretärs, zusammentrat. Herr Landeshauptmann Adolf Rhomberg von Dornbirn gebürtig, ließ ihm die Auszeichnung zuteil werden als Ehrenpräsident, die Herren Stattrat Ritter von Ferrari und Oberst Gelb von Siegstern als Präsidenten beizutreten. Als Mitglieder sind zu nennen die Herrn: Bürgermeister J. W. Nachbauer - Obmann; Arnold Loacker als dessen Stellvertreter; Franz Jenny - Kassier; Jakob Amann - Schriftführer; Hochwürden Pfarrer Dr. Andreas Fußnagl, Johann Barbisch, Josef Barbisch, Peter Ender, Josef Häusle, Andreas Huber, Karl Ölz, Baptist Rauch, Franz Riedmann, Josef Schöch und Alois Sturn.
Ihrer eifrigen Tätigkeit ist es zu verdanken, dass der schöne Entwurf der Bildhauer Bechtold in Feldkirch ausgeführt werden konnte: Ein hochragender Obelisk im Stiele Germanischer Alemannen, zu dessen Fuße der flugbereite Adler und Soldatische Embleme. Der Markt Rankweil, besonders die Pfarre Brederis, welche Sigmund Nachbauers Heimat und stets den tapfersten Kern seiner Streiter gestellt, ist wie kein Anderer Ort des Landes berufen, der Wächter des Monuments zu werden.
Derzeit hält unsere Scharfschützenkompanie die Ehrenwache in der Hoffnung von einer nachfolgenden Schützenkompanie in Rankweil irgendwann vielleicht abgelöst zu werden. Und so steht es denn vor dem uralten Peterskirchlein auf dem Platze, wo der Held einst die Mannschaften des Oberlandes für die Freiheit gesammelt und zum heiligen Kampfe in die Wallstatt geführt. Ein Zeuge seines Ruhmes und seiner Taten, ein Zeuge aber auch von der Treue und Tapferkeit unseres Volkes, die sich durch die Zeit vererbt, so dass noch heute deren Nachfahren, vom alten Geiste beseelt, wenn die Pflicht sie ruft, bereit sind zu stehen, und wenn es sein muss, zu streiten, für jene späteren Generationen, ähnlich unseren früheren Ahnen, derer vierte Generation wir heute sind.
Bildlegenden:
1. St. Anna Kapelle in Brederis dem Versteck der Sturmfahne Rankweils
2. Aufmarsch der Rankweiler Schützen 1846
3. Landeshauptmann Dr. Adolf Rhomberg
4. Das Denkmal in Rankweil
5. Schützenhäuptling Sieg(mund)fried Eisele (zum Hauptmann ist die Kompanie noch zu klein)
