Geschichte der Entstehung unserer Fahne
und ihre Einsätze
Um 1796 gab es massive Bedrohungen unserer Länder vom südlichen Tirol damals Welschtirol, Zentraltirol mit der Hauptstadt Innsbruck und dem Westlichen Tirol dem Vorarlberg mit den Grafschaften Liechtenstein und Hohenems auch Lustenau bis Isny als gesamter Tiroler Wirtschaftsraum. Man formierte Schützenkompanieeinheiten nach dem Gesetz des Maximiljanischen Landlibells 1511 zusammen mit dem regulären Militär, die Heimat zu verteidigen.
Heeresteile bestanden in Vorarlberg in diesen 19 Jahren: Aus zusammen 16.000 Mann. Schützenkompanien bestanden aus best geübten Scharfschützen die sich qualifizieren mussten, in grüner Tracht: Jeweils eine in Sulz, Rankweil, Feldkirch, Liechtenstein, Bludenz, Montafon, Sonnenberg, Jagdberg, Blumenegg/St.Gerold, Großwalsertal, Lochau, Hohenems/Lustenau, Dornbirn, Alberschwende, Mittelwald/Hinterwald, Bregenz, Weiler im Allgäu. (Auch Tirol hatte in jedem Bezirksgericht meist eine Stadt wie z. B. Innsbruck, Brixen etc. eine grün - rot gekleidete Scharfschützenkompanie) Leider ist aus heutiger Sicht diese Unterscheidung von Scharfschützen und Milizen im Namen der allgemeinen Bezeichnung "Kompanie, Schützenkompanie oder Bürgerschützenkompanie" abhanden gekommen. Sollte sich heute eine Region in Tirol dieser speziellen Scharfschützenkompanien entsinnen, wäre es theoretisch meist (sofern grün in Vorarlberg nicht nachweisbar zur zivilen Tracht gehören würde) diese Tradition der Scharfschützen tragend, die heute grün gekleideten Kompanien. Ob diese Kompanie heute zufällig ihren Hauptsitz jeweils im Gerichtsort hätte, oder in einem anderen Ort dieses ehemaligen Gerichtes ansässig wäre, ist aus heutiger Sicht Nebensache und nicht von Belang.
Im Weiteren aus emigrierten Bündner bestehende Legion Rittmeister Managhetta, mit Regiment und Bataillon von Bachmann, Bataillon Roverea, Brechainvils und General Anton von Salis-Marschlings sein Bündner Jägerregiment. Diese trugen ihre Tracht im selben Grün, wie die Scharfschützen, nur statt allem Roten, in Schwarz, gelbe Knöpfe und ein Zylinderhut, die Offiziere mit Rosette und Federbuschen. Im Winter lange hellblaugraue Beinkleider, im Sommer schwarze Lederhosen mit hellgraublauen Kniebünden.
Nach den ältesten Landesordnungen war die streitbare Mannschaft vom 16. bis 50. Lebensjahr zur Verteidigung des Landes verpflichtet, man teilte sie in zwei Ausschüsse, der jew. Gerichte und den Landsturm. Sobald die Krayschüsse hallten und die Krayfeuer aufflammten, stellte sich der erste Ausschuss von 3.000 Mann zur Verfügung, vorher schon in die taktischen funktionstüchtigen Kompanien formiert, mit dem jeweiligen Sammelort. Oberbefehl hatte immer der Landeshauptmann, so lange nicht eine andere Person durch die Innsbrucker Oberamtlichkeit ernannt wurde, (meist nur durch den Wunsch des Landes, Form halber bestätigt). Beispiel; Dr. Anton Schneider als Ziviler und Major Sigmund Nachbauer als Militärischer Oberbefehlshaber der Bürger. Mehrte sich die Gefahr, so ertönten die Böller zum zweiten mal, die Feuersignale wurden gegeben, und wieder traten meist die älteren Schützen, in der Stärke von mindestens 3.000 Mann unter die Waffen. Geschah es zum dritten male, so setzte sich der Landsturm in Bewegung, mit verschiedener Wehr.
Im weiteren Späteren zur Franzosenzeit wurden 6 verpflichtete Ausschüsse in Jahrgänge eingeteilt von 18 bis 25 als erste zwei Ausschüsse, 26 bis 35 als zweite etc. bis zum 50 Lebensjahr, in blauer oder anderer Farbe jeweiliger Täler und Regionen bzw. Gerichte; Bürgertracht. 1898 entstand das Gesetz der Regelung zur Rekrutierung der Miliz. Militärzeit 3 Jahre, Dienst zwischen 20.und 43. Lebensjahr.
Diese Ausschusskompanien bezeichnete man als Milizkompanien - Militärzivile. Als Nachkommen der Miliz 1806 gab es 1821 die ersten Jägerinfanterie, benannt nach dem allerhöchsten Feldherrn, Kaiser Jäger. Eine optisch ähnliche Gebirgstruppe entstand 1906 wieder. Aus den ehemaligen Scharfschützen 1796. Die Landesschützenregimenter, 1917 umbenannt als Kaiserschützen in Tirol. Eine Besonderheit in diesem Regiment waren die Reitenden Tiroler Landesschützen. Zu letzt der Landsturm (Ab 1906 Standschützen) in grauen Jacken mit grünen Aufschlägen für das letzte Aufgebot über 50 Jahre, der Pensionisten, auch Frauen und Jünglinge. (Im Winter trugen alle Schützen lange Lodenhose meist grau oder Schwarz, oft geziert mit grünen Hosennaht - Lambassen.) Den Landeshauptmann oder Oberbefehlshaber bestellte der Landesfürst wobei die Schützen sehr wohl ihre Meinung und ihren Wunsch kund taten. Die Hauptleute, Leutnants und Unteroffiziere der Kompanien wählten die gemeinen Schützen unter sich.
Schon 1796 stand eine Franzosenkompanie in Götzis am Kobel. So sammelte der Gerichtswaibl (Amtsdiener) Matthäus Frick aus Sulz, mit seinem Sohn Johann Georg die Bauern, zog als ziviler Landsturmführer hinunter und schlug in beispiellosem Kampfe, die Franzosen zurück. Sogar das Wallfahrtskreuz von Rankweil wurde voran getragen.
Im Jahre 1796 standen die Scharfschützen der Gerichte Sulz und Rankweil in der Schützenkompanie von Feldkirch. Sigmund Nachbauer erreichte eine Loslösung und Eigenformierung. So entstanden zwei Scharfschützenkompanien Rankweil 1797, Sulz 1798, in grüner Tracht, nebst mehreren Miliz und Landsturmkompanien in blauer bzw. grauer Tracht der Gerichte Rankweil, Sulz, Feldkirch, Neuburg - Koblach. Leider wurde den Koblachern den Wunsch einer eigenen Scharfschützenkompanie Gericht Neuburg nie ermöglicht, aber was damals nicht möglich war könnte ja in heutiger Zeit möglich gemacht werden weil Historisch aus dieser Zeit heute noch dieser Wunsch bewiesen ist und das Ansuchen offen stünde.
Die Gemeinde Götzis stand interessanterweise unter dem Gericht Sulz nicht unter dem Gericht Neuburg. Könnte es sein, dass diverse Unstimmigkeiten und Fehden zwischen den Herrschaften Neuburg und Neu - Montfort damals schon im Mittelalter ihre Schatten noch in diese Zeit warfen? Wir können es nur vermuten, wissen es aber nicht.
1798 bekam unsere Scharfschützenkompanie der Altgerichte Sulz und Neuburg unter dem Hauptmann Landammann Andrä Watzenegger eine Fahne, gespendet vom Feldkircher Kommandanten Hauptmann Max von Wocher unter welchem die Schützen vorher in der Kompanie Feldkirch standen. Das Blatt zeigt ein Kreuz mit dem Doppeladler in Gold auf der einen und den Kompanieadler heute, auf der anderen Seite, mit den Flammen Weiß, Grün und Schwarz, das Kreuz ist rot umrahmt. (Rankweil hat dieselbe Fahne nur im Gegensatz ist die Weiße Flamme rot, das Kreuz gold umrahmt).
1799 wurde sie gesegnet und erhielt zur selben Zeit die erste Feuertaufe in der Schlacht um Feldkirch am 23. März. In Tagelanger Stellung auf dem Älpile bei Schnee und Eis in Reisighütten, stießen sie mit weiteren Freiwilligen von den Peterwardeiner Grenzern und Schützen anderer Kompanien, nach ihrer Alarmierung in den Mittagsstunden, durch das Unterholz in rasender Fahrt in die Flanke des Feindes. Es war höchste Zeit.
Es folgten Einsätze bis Isny und auf dem Bodensee, Einsätze bis Babenhausen und ... Ulm! Der als Dichter bemerkenswerte Pfarrer H. H. Franz Josef Seyfried aus seiner Heimatpfarrei Röthis, äußerte schon vor den besprochenen Ereignissen den Wunsch, für Religion und Vaterland bei den Mannschaften der Sulner Landsturm, Miliz und Scharfschützenkompanien als Feldkaplan zu wirken. Eine diesbezügliche Eingabe an die Stände des Landes wurde am 27. Mai 1800 mit Freuden bewilligt und Seyfried der Sulner Scharfschützenkompanie, welche damals in Mäder unter der Götzis - Neuburger Miliz diese bei Koblach, am Rheine stand, zugeteilt. Beim Kampf auf dem Weidried stand längst die Front bis Altenstadt, allerdings, dass man die Rankweiler Scharfschützen unter dem Abschnittskommando damals noch Oberleutnant Josef Sigmund Nachbauer, Fähnrich Tschannet, eine ältere Milizkompanie unter Hauptmann Josef Walser, Unterleutnant Matthäus Frick und den Sulner Milizkompanien unter den Kommandanten Hptmn. Johann Baptist Bauer, Hptmn. Johann Graber, Hptmn. Kappelsberger, die zwischen Brederis und Meiningen auf Patrouille standen, zu spät informierte.
Erste Informationen bekam die unterhalb Meiningen zum Rhein hin patrouillierende Schweizer Emigrantenlegion von Bachmann durch den Götzner Meldereiter Franz Fidelis Jubele von den sich zur Frutzmündung zurückziehenden Sulner (unsere Kompanie) Scharfschützenkompanie und Götzis - Neuburg Miliz so wie der Götzis Miliz welche sich durch St. Arbogast nach Batschuns zurück zog, kommend.
Der Meldereiter begab sich in wildem Galopp weiter Feldkirch zu, während einer der Legion Bachmann welche sich weiter Tisis zuwandte, da dort ebenfalls ein Angriff kurz bevor stand; zu Nachbauer ritt, der nichts ahnend unterhalb Brederis stand. So nun in Staffel die Sulner Scharfschützen und Neuburg - Götzner - (Koblach, Mäder und Altach) unter dem Abschnittskommando Landammann Hauptmann Georg Watzenegger mit Fähnrich Schneider und dem Neuburg - Götzner Hauptmann Gerschwiler diese Stellung an der Rheinmündung übernahmen.
Erst durch das Sturmgeläute und den Meldereiter von Bachmann kommend, bemerkte Nachbauer in welcher Gefahr seine Schützen standen. Die Franzosen waren zu stark und hatten eine Menge gefürchteter Reiterei. Eilends bewegte man sich über die Felder zur schützenden Stellung nach Altenstadt. Während es die Sulner Milizen und Rankweiler Scharfschützen, allen voran der Rankler Fähnrich Tschannet mit seiner Fahne schafften, kamen die weiter unten am Rhein zu stehenden Sulner Scharfschützenkompanie und die Neuburg - Götzner Milizschützen, teilweise beim Waidnauer Ried in Bedrängnis.
Ein Zug von 20 Schützen mit dem Fähnrich Schneider aus Klaus und diverse Neuburg - Götzner Schützen wehrten sich wie die Löwen, manch wilder Franzosenreiter wurde aus dem Sattel gehauen und herunter geschossen aber es half alles nichts. Gegen die Übermacht hatten sie keine Chance. Fähnrich Schneider und seine zwei Fahnenadjudanten mit noch zwei Schützen erreichten den Heldentod, 7 Andere wurden schwer verwundet und gefangen genommen. Auch die von Neuburg - Götzis verloren 3 Mann und 5 wurden verwundet.

Dabei verloren unsere Sulner noch die Fahne. Das Blatt haben sie heruntergerissen und mitgenommen, der Lux in der Fahnenspitze war ausgebrochen und ging verloren, die Stange mit dem Rahmen der Fahnenspitze ließen sie liegen.
Die übrigen Züge der Sulner Scharfschützenkompanie unter Hauptmann Andreas Watzenegger aus Weiler, Landammann des Gerichtes Sulz Müsinen und der Neuburg - Götzner Miliz unter Hauptmann Gerschwiler, konnten dann auch bei Altenstadt Fuß fassen und erreichten mit Mühe teilweise auch die Tisner Stellungen, nach dem sie dem Gegner energisch Widerstand geleistet hatten.

Heute gibt es im Meininger Friedhof einen Gedenkstein zur Ehre dieser Gefallenen und im Weitried in Brederis steht eine Kapelle die mit einem Bildnis an diesen Kampf erinnert. Das Fahnenblatt haben die Franzosen mitgenommen, die Stange und die Spitze wurden im Weitried gefunden. Sie sind in der Gemeinde Sulz heute noch zu besichtigen.

Wir ließen diese Fahne originalgetreu nach schriftlicher Überlieferung als Replik nachmachen, nur mit dem Unterschied, in der Fahnenspitze anstelle des Pferdes, den springenden Luchs (Wappentier des Max von Wocher), der dort verloren ging, wieder eingesetzt. Zur weiteren Orientierung steht auf dem Fahnenblatt 1798 der Kompanieentstehung bzw. 1998 der Widergründung. Die Daten auf der Fahnenspitze entsprechen 1799 der Fahnenweihe und deren Spender bzw. des ersten Gefechtes und 1999 der Realisierung zur Neuerstellung dieser ehemaligen Schützenfahne und deren Hauptspenderin und Patin.

An der Entstehung der Fahne waren beteiligt:
- Frau Bürgermeisterin Bawart Mechtild, Fahnenpatin und Hauptsponsorin der Fahne, des Patinnenbandes und der Gästewimpel.
- Gemeinde Sulz unter dem damaligen Bürgermeister Adalbert Gut, Sponsor der Fahnenspitze mit Spruchreif und Hülse "Den tapferen Scharfschützen von Sulz zum Andenken von ihrem K.u.K. Hauptmann Max von Wocher 1799".
- Gemeinde Röthis mit Bürgermeister Ing. Norbert Mähr, Sponsor der Fahnenspitze mit Spruchreif und Hülse "Den treuen Scharfschützen des Vorderlandes zum Andenken von ihrer Oberbefehlshabenden Bürgermeisterin Mechtild Bawart 1999".
- Pokale und Zinnboutique Karl Grabuschnigg Walgaustraße 16 Klaus, für die Erstellung des Fahnenspitzenblattes mit Figur und Schriftreif.
- Schmied und Schlossermeister Herr Bachmann Reinhard, Schöffenweg 8 Sulz, für die Fahnenspitzenhülse und Montage des Spitzenblattes.
- Herr Ehrenwaffenträger Zivil Summer Stefan, ehemaliges Burgfeld Weiler, wohnhaft in Koblach. Er realisierte alle Entwürfe original Historisch am Computer für uns gratis.
- Stickerei Herr Wohlgenannt Wilfried im Steinbux 48a in Götzis, für die Stickereiarbeit der Fahne, Fahnenband und Gästewimpel.
- Maßschneiderei Herr Pfleger Gregor, Bahnhofstraße 14 Feldkirch, seit 2006 in Pension, für die gesamte Schneiderarbeit der Fahne, Fahnenband und Gästewimpel, auch für unsere Trachten.
- Metallbau Herr Summer Günther, Wiesenstraße Weiler, für die Spende der Fahnenstange.
- Herr Ehrenwaffenträger Schützenfahnenoberleutnant Kompaniefähnrich, Schlossereigeselle Ritter Manfred, für die Montage des Fahnenblattes und der Stange.
- Herr HBM Feuerwehrehrenmitglied und Altfeuerwehrkommandant Ludescher Franz, Sattlermeister. Er nähte uns das praktische Fahnenfutural gratis.


