Dritter Kampf um Feldkirch 1799

Sigmund Nachbauer rettet die Stadt ein drittes mal

So vermochten die Franzosen nirgendwo über unsere Vorpostenlinie einzudringen und am Abend wurde dann auf Udinots Antrag ein Waffenstillstand geschlossen der beinahe allen zum Verhängnis wurde.

Als nämlich während der Nacht Massena mit bedeutenden Verstärkungen in seinem Lager eintraf, brach er ihn treulos und noch vor Tagesanbruch zogen die Franzosen gegen Feldkirch, um das Städtchen zu überraschen und auf leichte Art zu bewältigen.

DIE SCHARFSCHÜTZEN UND PETERWARDEINER GRENZER AUF DEM MARGARETHENKAPF

Dort ahnte niemand die Gefahr. Jellachich hatte im guten Glauben an die Treue des Feindes (typisch Österreichische Mentalität) fast alle Landsturmtruppen nach Hause beurlaubt, das Militär war in die Häuser verteilt und der Ort wäre verloren gewesen, wenn Sigmund Nachbauer als Führer der Rankweiler Schützenkompanien, die Anrückenden nicht erspäht hätte.

Es war Karfreitag. Aus eigenem Antrieb mit seinen Scharfschützen und einer Streife der Bludenzer Scharfschützen über den Blasenberg patrouillierend bemerkte er mit seinem Freund und Waffenbruder Bernhard Riedmiller, wie der Feind gedeckt von den Blättern, am Schellenberg und bei Nofels, heimlich gegen die Ill vorstrebte.

In den wenigen Lichtungen blitzte es blau von den Franzosenmonturen. Er erkannte das Vorhaben der Franken und sah zugleich, dass die schwach besetzten Posten an der Letzi über St. Antonius bis zum Blasenberg und an der Nordwestseite dem Margarethenkapf nur aus den kleinen Wachmannschaften bestand. Schleunigst ritt Nachbauer wieder einmal in das Quartier von General Jellachich, der sofort Alarm schlagen ließ. Grell ertönten die Signale der Hörner, welche das Militär in die rings um das Städtchen aufgeworfenen Schanzen jeden Mann an seinen vorgesehenen Platz rief und mit ihnen mischte sich ein Donner von Krayschüssen und der Hall des Sturmgeläutes, auch Landwehr und Landsturm aufbietend. Es war hohe Zeit!! Lange wurde diese feindliche Abteilung von Niemandem wahrgenommen.

DIE FRANZOSEN

Schon schickten sich 3.000 Franzosen an, bei Nofels die zum Glück zu dieser Jahreszeit reißende Ill in einer Kette zu durchwaten, um gegen Altenstadt vorzustoßen.

Doch bald traten ihnen einige Kompanien Kauniz Infanterie und eine Jagdberger Milizkompanie und der Nachbarschaftliche Landsturm bei Gisingen entgegen und empfingen sie in höchster Eile mit gewaffneter Hand. Treffschüsse schlugen einzelne Glieder aus der Kette, so dass sie zerriss. Der Übergang der Hauptmacht wurde vereitelt und selbst jene Abteilungen, wie etwa die 100 gegen den Veitskapf vorgerückten Franzosen welche das rechte Ufer schon erreicht hatten, wurden gar bald durch Infanterie, den Modena Dragonern unter Oberst Rochovsky und der Scharfschützenkompanie Feldkirch auch einer Kanone auf dem Veitskapf, nach und nach wieder in den Fluss geworfen und zurückgedrängt.

Von der Höhe des Schellenbergs aber, gab jetzt – es war um die zehnte Vormittagstunde – eine Batterie von 3 Kanonen und einer Haubitze, für die gesamte Franzosenarmee das Zeichen zum vorrücken. Die 4 großen Geschütze spielten den Pass beim darauf folgenden wilden Orchester.

Massena selbst führte die Kolonne zum Sturm. Vier Generäle waren dem Obergeneral untergeordnet.

Mit 18.000 Mann kriegsgeübten Soldaten warf er sich auf das nur von 5 – 6.000 Mann, mit dem zum Großteil Bürgerlicher aber auch und Bäuerlicher Streiter verteidigten Städtchen. Voll der ungestümen, niederschmetternden Kraft welche ihn kennzeichneten, erfolgte um 9.30 Uhr parallel der obern Ill, der Angriff.

Die 2. Kolonne teilte auf den Wiesen von Tosters ihre 5.000 Mann in 2 Abteilungen. Die eine schritt zum Sturm auf den Margarethenkapf, der steil am linken Illufer aufsteigt, die Andere zum Sturm wiederum auf die starken Schanzen von St. Antonius, beim jetzigen Landeskrankenhaus. Auf den Hügeln am Fuße des Älpile und auf der Landstraße bei Tisis, bei den Schanzen an der Antoniuskapelle und den Blasenberg entlang wogte zugleich die Schlacht. Unausgesetzt feuerten die Kanonen des Feindes, in Bregenz vernahm man ihr dröhnen wie nahes Wettergrollen.

Oberleutnant Nachbauer hatte während dieser Kämpfe mit hundertfünfzig Rankweiler Scharfschützen so wie 40 Kroatischen Soldaten der Peterwardeiner Grenzer seinen Posten am Margaretenkapf, hoch über der heute als Faradweg genutzten alten Illbrücke, beim steilen nördlichen Vorsprung des Blasenberges, an dem vorbei in Felsiger Schlucht die Ill sich zwängt.

Ein Gehweg führt über diese Höhe nach Feldkirch und dahin richtete sich der heftige feindliche Sturmangriff.

Gedeckt durch den damaligen Nofler Wald, nahten die Franzosen unbemerkt in gewaltigem Sturmhaufen und warfen sich mit aller Wucht dem waldigen Hang hinan, anfangs wohl im Wahne, die handvoll Bäuerlich und Bürgerlicher Streiter leicht zu bezwingen, dann mit zäher Hartnäckigkeit - Schlachtreihe um Schlachtreihe, alterprobter Krieger, die berühmten Grenadierkompanien, die schon unter jedem Himmelsstrich gefochten, von bräunendem Aussehen in ihren hohen schützenden Bärenfellmützen.

Der Kapf aber war fast gar nicht bewehrt worden. Da er von Natur fest - ein sich abfallender Fels war, hatte sich hier am wenigsten ein Angriff erwarten lassen. Selbst wo sich die Straße den steilen Hang hinauf wand, sperrte den Aufstieg nur ein altes Tor mit gewölbtem Bogen. Kein schweres Geschütz befand sich auf der Höhe, kein Platz war dafür geschaffen worden. Erst während des Treffens wurde in aller Eile ein Kanönile hinaufgekarrt und nun war man gezwungen, das hinter das alte Tor zu stellen und dieses für jeden Schuss zu öffnen.

Doch Nachbauer hatte seine Leute ob dem Tor in der Kapelle ( wer heute noch unterm Tor durchspaziert, kann die Einschusslöcher im Gemäuer von den Franzosen noch gut erkennen ) und auf den Felshängen gut postiert und focht ihnen tapfer voran.

Mit einem Hagel wohl gezielter Schüsse wurde der Feind empfangen. Da haben die Rankweiler, wie der Chronist rühmt, gezeigt, dass „ihr Pulver gut brenne und ihre Kugeln richtig treffen“. Ob die Franzosen auch in stetig wachsender Masse vorprellten, Mann für Mann wurden sie niedergestreckt. Auch die Kanone tat treffliche Dienste. Immer wieder öffnete sich das Tor und mähte Kartätschenschüsse über die Straße hin. (Es gab die Kanonenkugel und Kanonenstreusplittergeschoß genannt Kartätsche) Bald war sie mit Toten und Verwundeten verlegt, den Abhang hinab fielen sie den Stürmenden entgegen.

Nur über die Leichen ihrer Kameraden konnten sie noch zur Höhe gelangen – für die meisten ein grausiger Todesmarsch.

Allein die alten sieggewohnten Grenadiere fochten mit Tode verachtender Beharrlichkeit und als sie endlich nach stundenlangem Ringen unter großen Verlusten weichen mussten, zogen sie sich bloß zurück um sich einem weiteren und dritten Angriff zu sammeln. Diese gestalteten sich noch heftiger als der Erste.

Die Rankweiler hatten die meiste Munition verschossen und viele ihrer Gewehre waren zum schießen unbrauchbar geworden. Nur wenige hatten Militärgewehre wo sie ihre Bajonette pflanzten.

Immer spärlicher fielen die Schüsse, desto ungestümer drangen die Franzosen vor. Schon kamen sie an einigen Orten so nahe dass sie die Felsen empor kletterten und die Schützen an den Füßen zu packen und sie hinabzuzerren versuchten. Nur durch Kolbenschläge (Autsch!!!) vermochten sich diese noch ihrer zu erwehren, selbst unsere Mutigsten begannen etwas zu weichen. Und rings um die Festungswerke war die Schlacht im vollen Gange, keine Unterstützung, keine Pulversendung war zu erhoffen!

Da kam Nachbauer der rettende Gedanke. Während er die Wankenden mit gezücktem Säbel zurück in den Streit trieb, gab er das Kommando zum Steinwurf, welcher furchtbare Wirkung tat. Hastig rafften die Rankweiler Schützen und Peterwardeiner Grenzsoldaten, darunter auch Frauen allen voran eine Wäscherin als Schnellerin bezeichnet, Steine und Holzklötze zusammen, darunter solche von einem halben Zentner an Gewicht (50 kg) und wälzten und schleuderten sie im Stiele der Tiroler, mit Macht in die Tiefe, vernichtend prasselten sie auf die Feinde nieder.

Diese wurden grässlich verstümmelt und zermalmt, weit hin gellte ihr Wehegeschrei. Vergebens noch suchten sie im Kampfe zu beharren. Todesmutig warfen sie sich, um sich gegen die Verderben bringenden, schrecklichen Wurfgeschosse zu schützen, Hüte und Mützen tief ins Gesicht hinabziehend ein letztes mahl den Unsrigen entgegen.

Doch deren Verteidigungsart war entscheidend. Die Reihen der Feinde wurde schrecklich gelichtet, unaufhaltsam wichen sie den mit Leichen bedeckten Hang hinab und waren trotz Antreibens durch die frustrierten Offiziere zu keiner vierten Angriffswelle mehr zu bewegen.

Es war ungefähr 16.00 Uhr Nachmittags, als der Feind vom vergeblichen Sturm abließ und sich zurückzog um die weitere Front die voll im Gange war zu unterstützen. So errangen die Rankweiler und Grenzsoldaten am Kapf den Heldensieg. Für Frau und Kind, für Kaiser Volk und Vaterland, waren sie gestanden. Sechs Stunden hatte der Kampf gewährt, einer der Heftigsten und Erbittertsten der je auf Vorarlberger Boden gefochten wurde, ein ungleicher Kampf – ein Verteidiger gegen zwölf Angreifer.

Wenn der Feind Feldkirch nicht in Sturm nahm, so war es Ihnen zu danken. Ein Zeitgenosse, der weit entfernt von einem überschwänglichen Lob seiner Landsleute ihre Verdienste stets nur mit Zurückhaltung würdigt schreibt, dass er „mit so überlegener Volkszahl und mit der größten Heftigkeit stürmende Feind lauter Helden gefunden.“ Ein schönes Wort!

Als sich der Feind um 16.00 Uhr zurückzog, blieb nur ein Teil der Kroaten an der Linie zur Wache. Die Anderen eilten über den Kapfrücken an die Südfront zur St. Antonius Kapelle wo der Kampf in vollem Gange war.

Dort waren unter den todesmutigen Angreifern 14 Kompanien Fremdenlegionäre als Grenadiere zu den besten der Franzosentruppen gehörend. Diese waren trotz größter Verluste bis auf die Höhen vorgedrungen, so dass sie mit den Unsrigen ins Handgemenge kamen. Schon schwangen sie auf Höhe der Schanz stolz ihre Fahne mit der Aufschrift “Leg´ion terrible et invincible, d. i. – schreckliche und unbesiegbare schwarze Legion im Zeichen des Totenkopfs.“. Doch nicht lange dauerte das Schauspiel, denn jetzt erst recht bekamen sie die liebste Beschäftigung besonders der bäuerlichen Schützen zu spüren. Das Kommando gellte „Aaaalles dreinschlagen, Kolben, Säbel und Bajonette, Dreschschlegel, Mistgabel zum Aaaaaangriff!!!!“

Wo die Bludenzer Schützen unter Hauptmann Riedmiller heldenmütig neben den Peterwardeiner Grenzinfanterie, den Schweizer Emigrantenlegionären und anderen Schützeneinheiten zusammen mit dem Landsturm der Bevölkerung des Vorderlandes, Oberlandes und Liechtensteins die hier trotz der Verschiedenheit der Sprache und des Volkstums wie Brüder, Schulter an Schulter, für Land, Kaiser und Reich kämpften, schlugen sie abermals die Feinde glänzend zurück.

Ebenso brav waren die Artilleristen mit ihrem wenigen Geschütz gewesen. Auch hier ließen die Franzosen gegen 16.00 Uhr Nachmittags vom Sturme ab, nachdem sie noch 70 Gefangene unseren Siegern zurücklassen mussten und somit diese allzu gleich eine willkommene zusätzliche Verstärkung darstellten.

Zum größten Glück hatte Jellachich auf dieser Front von Tisis bis zur Letze seine Hauptkräfte gesammelt. Hier begann der Feindliche Angriff mit 8.000 Mann auch um 10 Uhr, am stärksten gegen die Letze. Offenbar hatten die Franzosen die Absicht, wieder einmal, uneinsichtig der vorhergehenden Niederlage Müllers, über die Letze und bei Fellengatter gegen Frastanz durchzubrechen und damit die Unsrigen zu umgehen. Sie gingen mit großer Macht am Fuße des Gebirges auf die Letze hin vor, wo im Vereine mit Kaiserlichen Truppen die Blumenegger und St. Gerolder mit den Walsertaler freiwilligen Scharfschützen standen. Immer weiter, wenn auch langsam, rückte hier die feindliche Übermacht vor, sogar den Berg hinan stiegen sie gegen das Älpile zu. Gleichzeitig drang eine zweite Abteilung Franzosen durch das so genannte Rappenwäldchen gegen unsere Schanzen oberhalb der Landstraße. Zu allem stießen unsere Sulz - Neuburger Scharfschützen (heute Kompanie Vorderland) und Miliz unter Hauptmänner Landammann Watzenegger und Johann Graber, Leuntnants Martin Nuderscher und Ignatius Grafs und andere Freiwillige vom Älpile durch das steile Bärenloch herab dem Gegner in den Rücken und in die Flanke, so dass große Unordnung beim Feind entstand und er vollständig weichen musste. Eine dritte Abteilung blieb einstweilen außerhalb der Liechtensteinischen Grenze auf den Maurer Wiesen stehen, in ihrer Nähe die Französische Reiterei, um zur rechten Zeit ebenfalls hervorzubrechen. So wurde es 17.00 Uhr Abends.

In Tisis bei der Hauptfront ging es heiß her. Den Franzosen war es gelungen, ein Wäldchen unterhalb der Landstraße zu besetzen und von hier unsere Schanzen sehr gefährlich zu beschießen. Doch der wackere Artillerieleutnant Seitsch wusste zu helfen. Hier zeigte sich nun die gute Ausbildung des Militärs. Meldereiter sprengten vom Kommandanten befehligt zu den jeweiligen Kanonen welche aus einer veränderten Lage und taktischen Situation des Feindes heraus gemäß ihrer derzeitigen Position nicht mehr nutze waren. So auch in weiterer Folge die hohe Ausbildung der Artillerie. Wie am Exerzierplatz, nach Übernahme der Depesche durch den Meldereiter an den jeweiligen Hauptmann der Batterie mit Order und all zu gleich seinem Kommando an seine Mannschaft, ging es Hand in Hand, jeder Handgriff sitzend, wie bei der Feuerwehr hundert Jahre später. So wurden in aller Eile diverse Kanonen aufgeprotzt und die Pferde angezurrt und in wilder Jagt an die neuen Positionen herangeführt, wo sie allzu gleich abgeprotzt und in Stellung gebracht wurden. Aus 4 Sechspfünderkanonen überschüttete er nun das Wäldchen derart mit Kartätschen, dass es den Franken zu warm darin wurde und sie, wie aus einen Hornissenneste flink daraus retirierten.

Ein weiterer heftiger Angriff der Französischen Reserve und Artillerie auf unsere äußersten Batterien vor Tisis und gegen die Pfarrkirche St. Michael mit dem Friedhofe wurden durch die Grenzer Infanterie und durch trefflich gezielte Schüsse aus den Österreichischen Kanonen bei St. Antonius ebenso glücklich abgewiesen.

DRAGONER BEDROHEN WEHRLOSE BÜRGER VOR BANGS

So war Nachbauer dreifach zum taktisch – strategischen Retter Feldkirchs geworden. Ein letzter gewaltiger Versuch, um 18.30 Uhr die Stadt zu erobern, den Massena bei Einbruch der Dämmerung mit seiner ganzen vereinten Macht – auf der Landstraße die Kavallerie der Dragoner und Husaren im Sturmschritt – gegen die Front von Tisis unternahm, gestaltete sich für die Franzosen zu einem wahren Himmelfahrts -kommando und Todesritt.

Todesmutig stürmten die Feinde heran und mit Todesverachtung empfingen sie unsere Soldaten und Schützen. Das Gewehrfeuer, einzeln und in Salven, erdröhnte, die Kanonen donnerten, was das Zeug hergab mit schweren Schlägen. Kommandorufe und Trompetensignale gellten dazwischen, dichter Pulverdampf wirbelte empor, ganze Reihen stürzten hervor und wichen wieder zurück. Sie wurden von einem so furchtbaren Kartätschenfeuer ( Splitter ) aus unseren Schanzen überschüttet vereint mit den gut gezielten Schüssen unserer Soldaten und Schützen, dass die Straße und Wiesen mit Leichen und totgeschossenen Pferden übersäht waren. Sterbendes Wehklagen, verwundetes Stöhnten in ihren Schmerzen. Waren das Franzosen - Schicksal, aber es waren auch zum Kriegsdienst geknechtete Soldaten anderer Nationen die man zwang, in Massen ins offene Feuer vorzustürmen und in Massen zu Tausenden wurden sie verheizt.

Dahinter gingen die meist aus Franzosen bestehenden Grenadierkompanien nach, welche die Aufgabe hatten, jeden Soldaten der sich umdrehte und flüchten wollte zu erschießen. Der Abend dämmerte, aber die Kämpfer wollten nicht von einander ablassen. Die Feinde stürmten verzweifelt und kämpften im grellen rötlichen Scheine des mörderischen Kleingewehr und Geschützfeuers erbittert weiter. Die Franzosenreiter jagten im Galopp über die Landstraße und Wiesen gegen unsere Linie. Doch mochten noch so drohend die blanken Säbel blitzen, die Kanonade am Letzebühel, von St. Antöni in der Overthüre der anderen Schanzwerke spieen aus feurigem Mund der Kanonen stählerne Tiroler Knödel und Kanönile ihre todbringende kugelige Hurnissensaat, so wie Wespen und Bienensaat aus unseren Militär und Jagdgewehren unter die mutige Reiterschar.

ANGRIFF DER FRANZOSEN AUF DEN MARGARETHENKAPF

So überstiegen nun die Abwehrkämpfer unter dem persönlichen Kommando von Generalmajor Jellacic triumphierend die Brustwehren und Gräben, in einem allgemeinen Ausfall wurde der Feind über den Rappenwald bis in sein Lager bei Nendeln getrieben. Endlich bereitete die Nacht dem grausigen Kampfe ein Ende.

Massenas Niederlage war vollständig. Er hatte vor Feldkirch 3.000 Mann verloren, .......verloren? ........verheizt! und war selbst am Arme verwundet. Soldaten, Milizer wie Schützen vereint mit der Bevölkerung junge und alte Männer und Frauen, alle zeigten sich an diesem Tage als Helden. Besonders aber verdient die Österreichische Artillerie unter Leutnant Seitsch hohes Lob und sie machte hier im kleinen, wie 1809 bei Aspern im großen Konzert, ihrem Lehrmeister zu Maria Theresias Zeiten, dem Fürsten Josef Wenzel von und zu Liechtenstein, alle Ehre.

In derselben Nacht rückte der Feind, vom Dunkel geschützt, über den Rhein und am folgenden Morgen fand man sein Lager wieder einmal nun aber endgültig für immer leer.

Ein wagemutiger Rankweiler Schütze, der bei anbrechendem Tag bis nach Bendern gestreift, war der Erste, welcher die frohe Nachricht brachte – eine rechte Osterbotschaft. Denn es war gerade dieses Fest und der Hall der Feierglocken mag umso jubelnder durch die Herzen unseres wackeren, frommgläubigen Volkes geklungen haben, als die Sage ja auch ihnen einen Anteil am Siege zuspricht. Die Franzosen erlitten am 22. und 23. März an Toten, Verwundeten und Gefangenen einen Gesamtverlust von ungefähr 3.000 bis 4.000 Mann. Unsere Landesverteidiger verloren an diesen Tagen zusammen 748 - 806 - 900 Personen.

Die Französischen Kriegsberichterstatter aber reden heute noch von Feldkirch nur als einer „furchtbaren verheerenden unüberwindbaren Festung“.

153 Jahre später, verstarb am Ostermontag die Dichterin Anna Hensler, welche maßgeblich zum Erhalt dieser Überlieferungen beigetragen hatte. Auch der Schützenhauptmann welcher dieses Werk in Form einer CD erstellte, hat hin und wieder, je nach Jahr an diesen denkwürdigen Ostertagen Geburtstag.

Übersicht über die Kämpfe um Felkirch am 23. März 1799

Die schwersten Kämpfe hatte VORARLBERG im März 1799 während des zweiten Koalitionskrieges zu bestehen, als 18.000 Franzosen unter dem Oberbefehl von General MASSENA versuchten, von LIECHTENSTEIN her die inzwischen stark befestigten Stellungen um Feldkirch, besonders an der, den Weg in den Walgau deckenden LETZE zwischen TISIS und FRASTANZ – AMERLÜGEN, am MARGARETHENKAPF und VEITSKAPF zu erobern, um dann weiter ins Land einzudringen, Bregenz zu besetzen, die Front der Österreicher dort zu beflanken oder dem Tiroler Abwehrriegel im Süden in den Rücken zu fallen.

ANGRIFF DER FRANZOSEN AUF DEN MARGARETHENKAPF

Am 7./22./23. März 1799 kommt es zum den blutigsten Kämpfen und zur größten Niederlage welche die Franzosen auf Vorarlberger Boden je erlitten hatten. Auch zusätzlich nicht nur gegen eine standhafte Armee nein, gegen “Bürgerliche - Bäuerliche Streiter“. Beherzt werfen sich 4.000 Österreichische Soldaten der Peterwardeiner Grenzer mit anderen Armeeteilen und Vorarlberger Landesverteidiger - darunter Frauen und elf – zwölfjährige Buben – den 18.000 Franzosen im Raum Feldkirch entgegen.

Von 10 bis 16 Uhr stürmen die Franzosen die Stellungen der Verteidiger. Am Abend führt Massena persönlich den Angriff – vergeblich.

Angeführt vom Rankweiler Oberleutnant und Lehrer Josef Sigmund Nachbauer und seinem Freund dem Bludenzer Kronenwirt Hauptmann Bernhard Riedmiller, gelingt es den Landesverteidigern, vereint mit den Österreichischen Regimentern unter Generalissimus Jellachich, die Französischen Angriffe abzuwehren.

Die Kämpfe am 22. und 23. März 1799 forderten auf österreichischer Seite 796 Tote, 590 Verwundete und 100 Gefangene Kämpfer. Bei den Franzosen zählte man über 2.200 – 3.000 Gefallene. Gebeine gefallener Franzosen ruhen bei der Tostner Pfarrkirche.

Anmerkung zur Meinung eines Professors.

Vor einigen Jahren nahm ich an einem Vortrag einer bekannten Gesellschaft in Vorarlberg mit Thema der Franzosenkriege in Vorarlberg teil.

Der vortragende Professor meinte nach Erläuterung obiger Schlacht, dass es sinnlos gewesen sei, Blut zu vergießen. Ein Jahr später sei der Franzos eh in Vorarlberg eingerückt.

An dieser Aussage sieht der Leser wie wichtig tieferes Studium in der Geschichte allgemein wäre. Durch die Oberflächlichkeit diverser Fachleute egal welcher Form, ob Laie oder Studiertem, entsteht leider oft ein falsches und verzerrtes Bild von Geschichtsthematiken und Vorurteilen, ja, auch trägt es in keinerlei Hinsicht zu einem positiven Verteidigungssinn der Heimat für die Jugend bei.

Abgesehen dass er in der Zeit 1799 die 1914´er Standschützenbezeichnung erwähnte, statt den Bürgerschützen als Scharfschützen, Milizen, Landsturm etc. muss ich klar ergänzen, dass es sich beim diesen ersten drei Angriffen um Massenas Fremdenlegionäre handelte.

Eine berühmtberüchtigte Räuberarmee. Teile der Einheiten wie z.B. die Husaren welche an der St. Antoniuskapelle stürmten, trugen den Totenkopf als Legionszeichen. (Bei meinem gemalten Bild “Abführen zweier gefangener Franzosen“ Jacke weiß mit schwarzem Pelz, zeigt dieser Husar die originale Tracht dieser Legion).

Man wusste dass diese in Liechtenstein dem lebenden Vieh die Füße abschlugen, den Bauern die Höfe anzündeten, die Männer an die Scheunentore nagelten, egal ob sie Gegenwehr zeigten oder nicht. So nach Lust und Laune zog man schon mal einen Jungen oder Vater mit Gewalt zum Scheitstock. Wehrte er sich, wurde er wegen seiner Gegenwehr bestraft, wehrte er sich nicht, bestrafte man ihn wegen Feigheit vor dem Feind, kurz um, oft vor den Augen Großeltern, Eltern, Onkel, Tanten, Kinder, legten sie, immer seine rechte Hand, auf so einen Stock und hackten sie ganz einfach ab. Kinder um 10 Jahre bis Frauen mit 80 Jahren geschändet / vergewaltigt oft mit Gewalt Anderer dies ansehen zu müssen. Das war die reinste Mördertruppe.

Was blieb den Unsrigen übrig als zu wehren?!!! (Hätte Österreich auch 1938 um das was folgte gewusst, wäre die Geschichte anders verlaufen.)

Ein Jahr später war der Franzmann schon in Tirol und Strategisch war es unmöglich, da beschloss man in Bregenz mit einem anderen loyalen General in Verhandlungen zu treten und er versprach ein ordentliches Benehmen durch seine Truppen. (Auch das war relativ. Aber schon zivilisierter; Relativitätstheorie nach Einstein)

So sehen Sie die Wichtigkeit der Tiefe um das Geschichtswissen in diversen Zeitepochen und Vorkommnissen. Dass die Meinung dieses Vortragenden weiters nicht sehr übersichtlich war in Punkto “nicht über den Rand meiner Stadt zu schauen“, zeigt wie wenig Verständnis eine solche Person zu dieser Zeit gegen über anderen Städten wie Bludenz, ja Strategisch wichtig auch als Abwehrriegel um unsere Landsleute in Tirol zu schützen, als damaliger Führer gehabt hätte.

Kampf um Vorarlberg