So haben wir nachweislich zwei
Revolutionsführer,
Hofer und Nachbauer.
Warum? Hofer und Nachbauer hatten mit all ihren getreuen
Schützenkommandanten stets aus taktischen Gründen
sehr wohl gegenseitig Kontakt. Es patrouillierten die Tiroler
bis Bludenz zogen teilweise mit den Unsrigen durch Vorarlberg
bis Nendeln, Graubünden und Isny, Babenhausen und Ulm, wo
sie diverse Kämpfe an der Seite der Österreichischen
Armee fochten.
Dies waren z. B. die Höttinger Schützen in
Bünden, jene von Ischgl und die aus Pettneu, auch dabei im
Kampf um Feldkirch. Aber auch die Unsrigen waren in Tirol wie
z. B. diverse Kompanien aus dem Bregenzerwald, die Wolfurter
und Hofsteiger und z. B. der Rankweiler Fähnrich Tschanett
der im Tiroler Oberland 1809 eine Kompanie kommandierte, oder
Franz Fidelis Jubele, einem in Götzis wohnhaften Tiroler
Schützen der als Meldereiter und Verbindungsleutnant
fungierte, zur Zeit der Vorarlberger Franzosenbesatzung. Auch
Major Bernhard Riedmiller, Kommandant der Bludenzer
Scharfschützen, war einer der engsten Vertrauten und
Freund von Mj. J. Sigmund Nachbauer. Er war auch zeitweise als
Kommandant des Regimentes Oberes Inntal ein Adjudant Andreas
Hofers.
Da Vorarlberg als Seitental eine Sonderstellung innehatte, war
es Strategisch unumgänglich, neben dem heutigen Tirol,
parallel die eigene Landesverteidigung zu organisieren.
Sigmund Nachbauer kannte Andreas Hofer persönlich. Am 24.
September 1809 schritt Nachbauer übers Zeinisjoch und
forderte vom Grenzerhauptmann Wendelin Kathrein ein Dokument um
sich nach Innsbruck zu Andreas Hofer begeben zu können. Er
blieb 5 Monate bei Hofer im Schupfner Stabsquartier Nauders, im
Hauptquartier in Steinach und in Innsbruck und auch zeitweise
am Arlberg, bei seinen Freischaren.
Hofer war Bauer und Händler, Nachbauer war Bauer und
Lehrer. Beide ereilte dasselbe Schicksal durch jeweiligen
Judas. Hofer starb im Kugelhagel der Franzosen in Mantua,
Nachbauer starb an Krankem Herzen und Lunge durch Wassersucht
aber auch nach Überlieferung an einer Vergiftung in
Ingoldstadt.
Nimmt man in Anbetracht damaliger Regionaler Größe
das gesamte damalige Tirol in Augenschein, bleibt Andreas
Hofer natürlich die schillernde Hauptfigur in diesem
Revolutionären Szenario als so genannter Schirmherr
Großtirols von Isny über Innsbruck bis Verona.
Andreas Nikolaus Hofer
Maria Lichtmess 1810.
Aus der Kirche des kleinen Dorfes Aala an der Etsch im heute
besetzten Südtirol, kommen die Leute. Es ist bitter kalt,
doch bleiben sie noch zusammen stehen, sprechen über die
Predigt.
HOFERLIED ZU MANTUA IN BANDEN
„ Allein mit Gott gegen die ganze
Welt“ war das Thema gewesen, und obwohl der
Priester die Seele beschrieb, die in dieser Welt nur auf Gott
vertrauen dürfe, wusste jeder, was er damit meinte: das
Schicksal der verzweifelten, von allen verlassenen Tiroler
Freiheitskämpfer. Plötzlich Pferdegetrappel, poltern
von Wagenrädern.
Ein Trupp Franzosen reitet durch die engen Gassen. In der
Mitte führen sie einen Karren mit, auf dem zwei
Männer sitzen. Beide sind an Ketten gefesselt, Ketten
die heute nicht mehr sichtbar, dennoch da. Man hat sie in
braune Decken gehüllt. Gerade in Südtirol ist diese
braune Decke heute größer denn je. Einer von ihnen
trägt einen großen breiten Hut. Sein Gesicht ist
von Schlägen geschwollen. Schläge die heute noch
vorhanden aber nicht sichtbar.
Sein langer Bart Blutverkrustet, auch der heute noch da, aber
heute redet man von moderner Kunst, bei einem solchen
Abbild. Doch in seinen dunklen Augen leuchtet ein Feuer von
unbeugsamer Kraft. Auch heute noch durch den Tiroler
Schützenbund.
„Großer Gott das ist Anderl
“ ruft eine Frau und bekreuzigt sich. „Ja – das – ist – er
– euer Andre´ Hofer´“ lacht ein
Soldat in Franzosendeutsch. „er
kommt jetzt nach Mantua…“
Einige Männer ziehen ehrfürchtig den Hut. Jeder hier
kennt ihn, den Andreas Hofer aus den Pusterer -
Passeiertal. Jahrelang hat er den Kampf gegen die Besatzer
geführt, sie am Bergisel oft besiegt. Und jetzt….
Es begann zu der Zeit, als Napoleon sich anschickte, ganz
Europa zu unterwerfen ... ganz Europa?
Nein!
Ein aus unbeugsamen Regionaltirolern
bestehendes Gebirgsland von Isny über Bregenz nach
Innsbruck bis Verona und Welschtirol, hielt energisch der
anbrandenden Weltmacht der Franken an die geliebten Berge
stand.
1796, 1798, 1799, 1800, 1805, und 1809, stießen die
Franzosen in das Regionaltiroler Etsch, Eisak und Rheintal
vor.
Tiroler Schützen unter Führung des 30 Jährigen
Schützenhauptmannes Andreas Nikolaus Hofer aus
St. Leonhard im Passeiertal und des 37 Jährigen Josef
Sigmund Nachbauer aus Brederis bei Rankweil im Rheintal,
leisteten ihnen mit ihren Kompanien und Führern
erbitterten Widerstand.
HORMAYR
Drei Jahre später wurde Erzherzog Johann von
Österreich Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Truppen. Er
fasste den Plan, das gesamte Tiroler Volk zu bewaffnen und
für einen Kampf Seite an Seite der Armee
auszurüsten. Es kam zu einer ersten Begegnung mit dem
Großtiroler Oberkommandanten Andreas Hofer und dem
Tiroler Intendanten Hormayr, und von da an waren diese
Männer Freunde.
1805 schlug sich Bayern auf die Franzosenseite. In der
Dreikaiserschlacht bei Austerlitz besiegte Napoleon Kaiser
Franz den 2. von Österreich und Zar Alexander von
Russland. Die Österreichischen Truppen mussten Tirol
räumen, das Land fiel an Bayern.
Da scharten sich die Großtiroler Patrioten erneut um
Andreas Hofer und Sigmund Nachbauer. In einem geheimen
Briefwechsel mit Erzherzog Johann wurden die Pläne
für eine Militäraktion in Tirol und Vorarlberg
parallel dazu festgelegt.
Im Frühjahr 1809 erklärte Österreich den
Franken und Bayern den Krieg. Zugleich brach im Regionalen
Tirol der Volksaufstand aus. In allen Dörfern
läuteten die Glocken. Auf den Bergen loderten die
Kreyutfeuer. Geistliche, allen voran die Kapuziner Pater
Joachim Haspinger in Tirol und Paul Styger in Vorarlberg,
riefen zum Freiheitskampf auf. Sie kamen von überall:
Bauern mit Schrotflinten, junge Leute die jeden Schleichweg
kannten, ehemalige Söldner, Jäger und Wilderer,
Schießstandschützen der Gilden und Zünfte,
alte Soldaten, aber auch Advokaten, Studenten, Ärzte,
Beamte, auch Frauen mit Heugabeln und Sicheln zogen mit in den
Kampf.
Andreas Hofer und Sigmund Nachbauer mit ihren
Schützenhauptleuten, Anton Steger, Eisenstecken, Josef
Speckbacher, Joachim Haspinger, Peter Mayr, Josef Marberger,
Wendelin Kathrein, Johann von Kolb und Philipp von
Wörndle, Josef von Hormayer und Martin Teimer, Ignaz
Straub alle aus Tirol; Johann Josef Battlogg, Johann
Ellensohn, Bernhard Riedmiller, Andrä Watzenegger,
Christian Müller, Josef Walser, Max von Wocher,
Dr. Griß, Franz Josef Rädler, Jakob Schertler,
Peter Sutterlüty und Fidelis Jubele, aus Vorarlberg,
nebst vielen Anderen siegten seit 1796, in erbitterten
Schlachten.
Erst über die Bayern, dann über die
Franzosen. Innsbruck wurde dreimal, auch Bregenz, befreit,
schließlich alle Auslandstruppen aus den Ländern
getrieben.
Für wenige Wochen war der Sandwirt vertretend von Hormayr
Statthalter des Kaisers in der Region Tirol und Landesmajor
als Oberkommandant in Tirol, Nachbauer ebenfalls eine Woche
Statthalter danach Landesmajor und Dr. Anton Schneider als
Verwalter, in Vorarlberg. Sie erhielten vom Kaiser
anerkennende Geschenke in Geldleistung und Dingen. Doch das
Rad drehte sich weiter.
Der Kaiser schloss mit dem Franken Frieden. Mehr noch, am
27. 03. 1810 gab er ihm seine Tochter Maria Luise zur
Frau. Hofer einerseits, Nachbauer anderseits konnten dies
alles nicht begreifen. Als die Franzosen wiederum in der
Tiroler Region einrückten, begannen sie einen letzten
verzweifelten Kampf.
Wir können keine Sklaven werden, schrieb Hofer an
Erzherzog Johann. „Wir sind ein
Volk dem nichts übrig geblieben ist als Blut und Leben
und das auch noch dieses der Freiheit und dem Vaterlande,
seinem Kaiser und seiner Religion mutig und entschlossen zu
opfern bringt…..“
Der Erzherzog konnte jedoch nicht helfen. Er war vom Hofe
kaltgestellt worden, außerdem an den Friedensvertrag
gebunden.
GEFANGENNAHME
Die Tragödie nahm ihren Lauf. Als die Franken die letzte
Bastion des Widerstandes, den Hof des Sandwirts
erstürmten, fanden sie Hofer nicht vor. Er war in die
Berghütte auf die Pfandleralm geflüchtet. Dort
feierte er mit Frau und Sohn Weihnachten. Dann im Jahr 1810
führte sein eigener Schwager Franz Raffl, der Judas von
Tirol, die Häscher zu Hofers Versteck. Der Lohn für
seinen Verrat, 15.000 Gulden…. Vor der Oberkommandantur
von Aala im Etschthal zerren sie Andreas Hofer und seinen
Gefährten, sein Schreiber Sweth, einen junger
Scharfschütze vom Wagen, schieben ihn ins Haus. Dort gibt
man ihnen zum ersten male zu essen: Brot und Käse. Kaum
hat er sich ein wenig gestärkt, nimmt den Rosenkranz den
er am Halse trägt und beginnt zu beten. Seine Bewacher
aber, ein Offizier und ein Grenadier, trinken Rotwein, Glas um
Glas.
Als es dunkel wird, bringt man die Gefangenen in das obere
Stockwerk. Der Grenadier zündet in einem Kessel ein
Feuer an, greift nach der Flasche. Mitten in der Nacht
schreckt Hofer auf. Das Feuer hat Teile des Fußbodens
ergriffen.
Die Bewacher schlafen tief und fest. Das wäre der
Augenblick für eine Flucht. „Los! - wir können
raus“ flüstert Hofers junger Begleiter, sein
Schreiber Kajetan Sweth. „Die sind
stock besoffen !“
Der Sandwirt aber schüttelt den Kopf. „Sie werden elendiglich verbrennen, wenn
wir nichts tun“, sagt er ruhig.
Dann geht er in den Nebenraum, weckt den Kommandanten,
löscht mit ihm das Feuer. Sie tragen einige bewusstlose
Soldaten hinaus. Es war die letzte Chance, den Häschern
zu entkommen. Doch Andreas Hofer blieb sich seinen Idealen,
blieb sich selbst treu – bis in den Tod. Er wurde mit
seinem treuen Begleiter Kajetan Sweth nach Mantua gebracht,
vor ein Franzosenkriegsgericht gestellt. In letzter Minute
versuchte Kaiser Franz seinen Getreuen zu helfen,
vergebens.
HINRICHTUNG
Napoleon selbst bestand auf den Tod. Es wurde am 20. Februar
vollstreckt. Die letzten Worte des Tiroler Freiheitshelden
waren „ Ade meine schnöde
Welt! So leicht kommt mir das Sterben vor, dass mir nicht die
Augen nass werden“ Dann gab er dem
Erschießungskommando selbst für sich das letzte
Kommando: „Feuer!“
1831 schrieb der Vaterländische Dichter Julius Mosen den
Text eines Liedes über diesen aufrechten Mann. 1849 hat
ihn Ludwig Erk vertont. Das “Andreas Hofer Lied“ mehr
als nur eine Erinnerung an den Sandwirt vom Passeiertal.
Josef Sigmund Nachbauer
HEIMAT DES LEHRERS NACHBAUER
Unter den Führern aus der Zeit der Freiheitskämpfe
zeichnet sich Josef Sigmund Nachbauer durch Vaterlandsliebe,
Treue, Tapferkeit und kriegerische Begabung vor allen Anderen
aus. Im Jahre 1759 in Rankweil geboren, finden wir ihn bereits
siebzehnjährig als Lehrer in Brederis bei Rankweil.
Aus den Aufzeichnungen, welche er hinterließ, ersieht
man, welche Freude er an seinem Berufe hatte, und
späterhin auch, mit welch warmer Liebe er an seiner
Familie und an seinem Hausstande hing, und wie er seine
kleine, in Brederis heute noch von Herrn Schatzmann Gebhard
gelegene Bauernschaft, mit Eifer und Sorgfalt betreute. Doch
das sollte ihn der Krieg aus dem stillen, friedlichen Dasein
reißen.
Als am 16. Dezember 1796 von Lauterach herauf Kanonendonner
durch das Rheintal scholl, litt es ihn nicht länger in
der Schule. Er eilte zur Wallstadt und beteiligte sich
freiwillig am Kampfe. Er hielt als einfacher Schütze mit
ein paar Kameraden einen wichtigen Bergposten ob
Hörbranz. Von da ab zeichnete sich Nachbauer in allen
Kämpfen dieses Jahres aus, und 1799 treffen wir ihn als
Anführer der freiwilligen Scharfschützenkompanie von
Rankweil im erbitterten Ringen um Feldkirch. Seine Tapferkeit
und Umsicht erwerben ihm einen hervorragenden Anteil am Siege
vom 23. März, der das feindliche Heer unter Massena in
die Schweiz zurückdrängt. Mit Riedmiller, dem
Führer der Bludenzer bemerkte er das Herannahen des
Feindes, alarmierte die Stadt, forderte von dem die
Verteidigung Feldkirchs leitenden Österreichischen
General Jellachich das Aufgebot des Innländer Montafoner
Landsturms, das dann im rettenden Augenblicke dem Feinde an
der Letze entgegentrat.
Er führte freiwillig eine 55 Mann starke
Schützenkompanie auf dem Schellenberg gegen einen
übermächtigen Gegner und kämpfte 2 Stunden
gegen diese Übermacht. Er trotzte auch auf seinem Posten
am Margarethenkapf mit 150 Rankweilern und 40 Kroatischen
Grenzsoldaten durch sechs Stunden dem hartnäckigen
Ansturm eines weit überlegenen Gegners. Als beim dritten
Angriffe seinen Schützen die Munition aus zu gehen
drohte, gab er das Kommando zum Stein und Holzwurf, der allein
noch Rettung bringen konnte. Nach furchtbarem Kampfe wurden
die Franzosen auf allen Linien zurückgeschlagen.
Auch an der Erstürmung des Luziensteiges beteiligte sich
Nachbauer, und am 13. Juli 1800 focht er mit seinen
Schützen am Weitried bei Brederis mit hervorragender
Standfestigkeit. Für seine Verdienste erhielt er nach dem
Frieden die große Tapferkeitsmedaille in Gold und die
goldene Zivil - Ehrenmedaille am roten Bande.
Doch dann kam das Jahr 1805. Österreich verlor den neuen
Krieg, französische Heere besetzten das Land, und
Vorarlberg so wie die übrigen Teile der Region Tirol
mussten an das mit Napoleon eng verbündete Bayern
abgetreten werden. Nachbauer aber gab die Hoffnung auf
bessere Zeiten nicht auf. Und als das Jahr Neun, die Erhebung
Tirols brachte, sammelte er in nächtlicher Zusammenkunft
die Bevölkerung von Rankweil, Sulz und Neuburg mit seinem
Spruch: „Männer es ist hohe Zeit!“. Sobald
dann der Österreichische Hauptmann Kamihel mit 120 Mann
in Vorarlberg einrückte und, begleitet von nur 40
Bludenzer Schützen, in Feldkirch eintraf, führte ihm
der Schulmeister von Brederis die starken Sturmhaufen und
Kompanien zu.
Noch am Abend desselben Tages konnte Kamihel, von starken
Schützenschwärmen begleitet, in Bregenz
einrücken. Das vom Bayerischen Militär
entblößte Ländchen war diesmal ohne Kampf
für Österreich gewonnen. Von nun an sehen wir
Nachbauer unter den leitenden Männern der Erhebung, und
als am 20. Mai auf die Nachricht vom Einbruche der Franken ins
Unterinntal die in Bregenz tagende Unterstädtische
Schutzdeputation die bedingungslose Übergabe des Landes
beschloss, gehörte er zu den freiheitstrotzigen
Oberländer Führern, die von keiner Unterwerfung
wissen wollten.
Während die Franzosen mit Bayern und Württembergern
Bregenz besetzten, sammelte er wie schon so oft, vor dem
uralten Peterskirchlein in der Nähe des heutigen Sigmund
Nachbauer Denkmals in Rankweil, die Kampf entschlossenen
Männer seiner Schar. Am 29. Mai rückte er dann mit
ihnen sowie mit den Scharfschützenkompanien und Milizen
und seinen Führern, seinem Adjutanten Ellensohn aus
Götzis, und den Bludenzern unter Bernhard Riedmiller
nebst Anderen dem Feinde welcher in das Oberland
vorzustoßen versuchte, entgegen und führte seine
Schützen kühn und umsichtig zugleich zum Siege vom
Klien zwischen Hohenems und Dornbirn, wo die vereinte Macht
des Gegners geschlagen wurde.
Nun brach der Aufstand noch gewaltiger und kräftiger als
vordem aus. Die Freude über den schönen Sieg riss
viele mit sich, die sich bisher zaghaft und vorsichtig
zurückgehalten hatten. Nachbauer wurde vom
hasenfüßigen Landtag mit sechs anderen Hauptleuten
wenigstens zum Major ernannt. Seinem und Ellensohns Befehl
unterstanden die 19 Kompanien des Oberlandes, die zahlreichen,
kriegstüchtigen und erprobten Mannschaften
Vorarlbergs. Ein Sieg den er wenige Tage später, am
13. Juni, über die Württembergischen Generäle
Scherler und Phyll erfocht, zeigt die Vorarlberger auf der
Höhe ihres kriegerischen Ruhmes. Phyll meldet dem
Württembergischen König, unsere Bauern hätten
sich durch die Kämpfe der vergangenen Jahre alle Vorteile
des Gebirgskrieges angeeignet.
Bis an Napoleon geht der Bericht, dass sie über eine
militärische Tüchtigkeit verfügten, wie man sie
bei solchen Truppen nicht erwarten würde.
Doch dann kam über Österreich das Unglück von
Wagram, der Waffenstillstand von Znaim. Der Württemberger
König forderte Vorarlberg zur Unterwerfung auf und der in
Bregenz tagende Landtag vom 24. Juni beschloss, mit dem Feinde
in Verhandlung zu treten. Während dieser Zeit
gehörte Nachbauer abermals zu jenen Bauernführern,
welche von keiner Ergebung wissen wollten.
Erst am Morgen des 6. August verließ er als einer deren
Letzten Bregenz. Nun kam Vorarlberg neuerdings in die Gewalt
des Feindes, und Nachbauer fühlte sich nicht mehr
sicher. Er flüchtete in die die Schweiz.
Als er dort von noch andauerndem Widerstande der Tiroler
erfuhr, schlug er sich über das Hochgebirge zu Andreas
Hofer, fortan bald bei dessen Generalstab, bald bei den
Freischaren am Arlberge weilend. Erst nach dem Friedensschluss
kehrte er in die Heimat zurück. Trotz der versprochenen
Amnestie aber wurde er von den Bayern ergriffen, durch einige
Wochen zu Feldkirch in Haft gesetzt und aller Ämter in
Gemeinde und Gericht sowie der Lehrstelle für verlustig
erklärt, wodurch er in schwere Notlage geriet. Trotzdem
vermochte er nicht, sich von der Heimat zu trennen, als ihm
der Kaiser von Österreich in seinen Ländern einen
Zufluchtsort und eine hohe Pension anbot. Diese Liebe zu
seinem Ländle gereichte ihm zum Verhängnis.
Anno Dreizehn gehörte er zu den ersten Geiseln, deren sich die
Bayerische Regierung beim Ausbruche des erneuten Krieges
bemächtigte. Um Mitternacht vom 3. auf den 4. April
rissen ihn Häscher aus den Armen seiner Frau und seiner
drei kleinen Kinder. Besonders das älteste
Töchterchen, die vierzehnjährige Anna Maria, weinte
bitterlich, als man den Vater in die dunkle Nacht hinaus
führte.
Er wurde zuerst nach München und später auf die
Festung Ingoldstatt gebracht. Heimweh und Sehnsucht nach Weib
und Kindern lasteten schwer auf dem durch die Mühsale des
Krieges früh gealterten Manne. Die lange Haft
drückte ihn nieder. Er erkrankte, und als er im Juni die
Nachricht vom Tode seines lieben Kindes der Anna Maria,
erhielt, verschlimmerte sich sein Zustand. Es klingt wie
Ahnung durch seine Worte, wenn er seiner Frau im letzten
Briefe, den sie von ihm erhielt, die Erziehung der Kinder ans
Herz legt.
„Leb wohl, wir wollen füreinander beten. Ich bin
nebst Gruß an Dich und die Kinder und Empfehlung in den
Schutz Gottes. Dein getreuer Josef Sigmund Nachbauer.“
So lautet ein Abschied auf immer der Schmerzzerrissene letzte
Gruß eines Sterbenden. Die nächste Nachricht die
Frau und Kinder erhielten war dann auch die
Todesbotschaft.
Wenige Tage bevor die anderen, von Bayern ausgehobenen Geiseln
die Freiheit erhielten, war er fern der Heimat seinen Leiden
erlegen – das letzte Opfer der treuen Liebe der Tiroler
und Vorarlberger zu ihrem Österreichischen Vaterlande. In
seiner Heimat blieb Nachbauer, Rebell und
Freiheitskämpfer unvergessen, und heute schmückt den
Platz neben dem uralten Peterskirchlein, wo er anno Neun die
Bauernschaft der Gerichte Sulz, Neuburgs und Rankweils zum
Kampfe am Klien gesammelt hat, Germanischer Tradition
gemäß, ein schlanker Obelisk mit sich zum Fluge
emporschwingendem Adler der Region Tirol, darüber das
Landeswappen mit der Innschrift, der noch späten Enkeln
von den Tagen des Helden und seiner munteren Schar
erzählen wird.
Oberes Bild, von links:
- sitzend Kajetan Sweth als Hofers
- Schreiber, Speckbacher Josef als Hofers Adjutant
- Andreas Hofer als Landesoberkommandant von Gesamttirol
- Josef Sigmund Nachbauer als Landeskommandant von Vorarlberg
- Bernhard Riedmiller Kommandant der Scharfschützen aus Bludenz und
Kommandant oberes Inntals als Adjutant Hofers
- Kapuzinerpater Joachim Haspinger
vom Maler Eisele Siggi