Die Revolutionsführer 1809:
Andreas Hofer
Josef Sigmund Nachbauer

Beide führten die Bauern zum Kampf gegen die Französische / Sächsisch / Württembergisch / Bayerische Knechtschaft. Am 29. Mai wurde die Schlacht am Bergisel zum zweiten male unter Revolutionsführer Landesmajor Andreas Hofer mit Erfolg geschlagen. Es nahmen auch Bregenzerhinterwälder Kompanien daran teil.

Am selben Tag schlugen in Vorarlberg die Schützen unter dem Revolutionsführer und Landesmajor, Josef Sigmund Nachbauer in der Schlacht am Klien bei Hohenems die Besatzer aus dem Lande. Der Großteil der Bayern in Bregenz war nun hinter die Leiblach geflohen. Daher stammt der Name kleiner Bergisel ob Bregenz aus dieser Zeit.

Um 1809 nahm Dr. Anton Schneider nachweislich aus den Aktstudien von Anna Hensler, nicht unmittelbar an den Revolutionskämpfen teil, lediglich die Geschäfte des Landeshauptmanns wurden ihm danach übertragen. Schneider war schon in der Stadt, so erzählt sie treffend, als die Schützen einrückten. Er fragte Nachbauer: „Ja was habt ihr da wieder angestellt?“ Er führte erst am 17. Juli 1809 im Regiment aus seiner Geburtsstadt Weiler im Allgäu einige Kompanien im mittleren Frontabschnitt bei Kempten, machte aber an der Front Taktisch und Strategisch eine schlechte Figur, so dass andere Kompanien in Schwierigkeiten gerieten. Er war auch einer der Ersten die gleich von Aufgabe, Ergebung und Kapitulation Vorarlbergs wissen wollte.

DR. ANTON SCHNEIDER

So haben wir nachweislich zwei Revolutionsführer,
Hofer und Nachbauer.

Warum? Hofer und Nachbauer hatten mit all ihren getreuen Schützenkommandanten stets aus taktischen Gründen sehr wohl gegenseitig Kontakt. Es patrouillierten die Tiroler bis Bludenz zogen teilweise mit den Unsrigen durch Vorarlberg bis Nendeln, Graubünden und Isny, Babenhausen und Ulm, wo sie diverse Kämpfe an der Seite der Österreichischen Armee fochten.

Dies waren z. B. die Höttinger Schützen in Bünden, jene von Ischgl und die aus Pettneu, auch dabei im Kampf um Feldkirch. Aber auch die Unsrigen waren in Tirol wie z. B. diverse Kompanien aus dem Bregenzerwald, die Wolfurter und Hofsteiger und z. B. der Rankweiler Fähnrich Tschanett der im Tiroler Oberland 1809 eine Kompanie kommandierte, oder Franz Fidelis Jubele, einem in Götzis wohnhaften Tiroler Schützen der als Meldereiter und Verbindungsleutnant fungierte, zur Zeit der Vorarlberger Franzosenbesatzung. Auch Major Bernhard Riedmiller, Kommandant der Bludenzer Scharfschützen, war einer der engsten Vertrauten und Freund von Mj. J. Sigmund Nachbauer. Er war auch zeitweise als Kommandant des Regimentes Oberes Inntal ein Adjudant Andreas Hofers.

Da Vorarlberg als Seitental eine Sonderstellung innehatte, war es Strategisch unumgänglich, neben dem heutigen Tirol, parallel die eigene Landesverteidigung zu organisieren.

Sigmund Nachbauer kannte Andreas Hofer persönlich. Am 24. September 1809 schritt Nachbauer übers Zeinisjoch und forderte vom Grenzerhauptmann Wendelin Kathrein ein Dokument um sich nach Innsbruck zu Andreas Hofer begeben zu können. Er blieb 5 Monate bei Hofer im Schupfner Stabsquartier Nauders, im Hauptquartier in Steinach und in Innsbruck und auch zeitweise am Arlberg, bei seinen Freischaren.

Hofer war Bauer und Händler, Nachbauer war Bauer und Lehrer. Beide ereilte dasselbe Schicksal durch jeweiligen Judas. Hofer starb im Kugelhagel der Franzosen in Mantua, Nachbauer starb an Krankem Herzen und Lunge durch Wassersucht aber auch nach Überlieferung an einer Vergiftung in Ingoldstadt.

Nimmt man in Anbetracht damaliger Regionaler Größe das gesamte damalige Tirol in Augenschein, bleibt Andreas Hofer natürlich die schillernde Hauptfigur in diesem Revolutionären Szenario als so genannter Schirmherr Großtirols von Isny über Innsbruck bis Verona.

Andreas Nikolaus Hofer

Maria Lichtmess 1810.

Aus der Kirche des kleinen Dorfes Aala an der Etsch im heute besetzten Südtirol, kommen die Leute. Es ist bitter kalt, doch bleiben sie noch zusammen stehen, sprechen über die Predigt.

HOFERLIED ZU MANTUA IN BANDEN

„ Allein mit Gott gegen die ganze Welt“ war das Thema gewesen, und obwohl der Priester die Seele beschrieb, die in dieser Welt nur auf Gott vertrauen dürfe, wusste jeder, was er damit meinte: das Schicksal der verzweifelten, von allen verlassenen Tiroler Freiheitskämpfer. Plötzlich Pferdegetrappel, poltern von Wagenrädern.

Ein Trupp Franzosen reitet durch die engen Gassen. In der Mitte führen sie einen Karren mit, auf dem zwei Männer sitzen. Beide sind an Ketten gefesselt, Ketten die heute nicht mehr sichtbar, dennoch da. Man hat sie in braune Decken gehüllt. Gerade in Südtirol ist diese braune Decke heute größer denn je. Einer von ihnen trägt einen großen breiten Hut. Sein Gesicht ist von Schlägen geschwollen. Schläge die heute noch vorhanden aber nicht sichtbar.

Sein langer Bart Blutverkrustet, auch der heute noch da, aber heute redet man von moderner Kunst, bei einem solchen Abbild. Doch in seinen dunklen Augen leuchtet ein Feuer von unbeugsamer Kraft. Auch heute noch durch den Tiroler Schützenbund.

„Großer Gott das ist Anderl “ ruft eine Frau und bekreuzigt sich. „Ja – das – ist – er – euer Andre´ Hofer´“ lacht ein Soldat in Franzosendeutsch. „er kommt jetzt nach Mantua…“

Einige Männer ziehen ehrfürchtig den Hut. Jeder hier kennt ihn, den Andreas Hofer aus den Pusterer - Passeiertal. Jahrelang hat er den Kampf gegen die Besatzer geführt, sie am Bergisel oft besiegt. Und jetzt….

Es begann zu der Zeit, als Napoleon sich anschickte, ganz Europa zu unterwerfen ... ganz Europa?

Nein!

Ein aus unbeugsamen Regionaltirolern bestehendes Gebirgsland von Isny über Bregenz nach Innsbruck bis Verona und Welschtirol, hielt energisch der anbrandenden Weltmacht der Franken an die geliebten Berge stand.

1796, 1798, 1799, 1800, 1805, und 1809, stießen die Franzosen in das Regionaltiroler Etsch, Eisak und Rheintal vor.

Tiroler Schützen unter Führung des 30 Jährigen Schützenhauptmannes Andreas Nikolaus Hofer aus St. Leonhard im Passeiertal und des 37 Jährigen Josef Sigmund Nachbauer aus Brederis bei Rankweil im Rheintal, leisteten ihnen mit ihren Kompanien und Führern erbitterten Widerstand.

HORMAYR

Drei Jahre später wurde Erzherzog Johann von Österreich Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Truppen. Er fasste den Plan, das gesamte Tiroler Volk zu bewaffnen und für einen Kampf Seite an Seite der Armee auszurüsten. Es kam zu einer ersten Begegnung mit dem Großtiroler Oberkommandanten Andreas Hofer und dem Tiroler Intendanten Hormayr, und von da an waren diese Männer Freunde.

1805 schlug sich Bayern auf die Franzosenseite. In der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz besiegte Napoleon Kaiser Franz den 2. von Österreich und Zar Alexander von Russland. Die Österreichischen Truppen mussten Tirol räumen, das Land fiel an Bayern.

Da scharten sich die Großtiroler Patrioten erneut um Andreas Hofer und Sigmund Nachbauer. In einem geheimen Briefwechsel mit Erzherzog Johann wurden die Pläne für eine Militäraktion in Tirol und Vorarlberg parallel dazu festgelegt.

Im Frühjahr 1809 erklärte Österreich den Franken und Bayern den Krieg. Zugleich brach im Regionalen Tirol der Volksaufstand aus. In allen Dörfern läuteten die Glocken. Auf den Bergen loderten die Kreyutfeuer. Geistliche, allen voran die Kapuziner Pater Joachim Haspinger in Tirol und Paul Styger in Vorarlberg, riefen zum Freiheitskampf auf. Sie kamen von überall: Bauern mit Schrotflinten, junge Leute die jeden Schleichweg kannten, ehemalige Söldner, Jäger und Wilderer, Schießstandschützen der Gilden und Zünfte, alte Soldaten, aber auch Advokaten, Studenten, Ärzte, Beamte, auch Frauen mit Heugabeln und Sicheln zogen mit in den Kampf.

Andreas Hofer und Sigmund Nachbauer mit ihren Schützenhauptleuten, Anton Steger, Eisenstecken, Josef Speckbacher, Joachim Haspinger, Peter Mayr, Josef Marberger, Wendelin Kathrein, Johann von Kolb und Philipp von Wörndle, Josef von Hormayer und Martin Teimer, Ignaz Straub alle aus Tirol; Johann Josef Battlogg, Johann Ellensohn, Bernhard Riedmiller, Andrä Watzenegger, Christian Müller, Josef Walser, Max von Wocher, Dr. Griß, Franz Josef Rädler, Jakob Schertler, Peter Sutterlüty und Fidelis Jubele, aus Vorarlberg, nebst vielen Anderen siegten seit 1796, in erbitterten Schlachten.

Erst über die Bayern, dann über die Franzosen. Innsbruck wurde dreimal, auch Bregenz, befreit, schließlich alle Auslandstruppen aus den Ländern getrieben.

Für wenige Wochen war der Sandwirt vertretend von Hormayr Statthalter des Kaisers in der Region Tirol und Landesmajor als Oberkommandant in Tirol, Nachbauer ebenfalls eine Woche Statthalter danach Landesmajor und Dr. Anton Schneider als Verwalter, in Vorarlberg. Sie erhielten vom Kaiser anerkennende Geschenke in Geldleistung und Dingen. Doch das Rad drehte sich weiter.

Der Kaiser schloss mit dem Franken Frieden. Mehr noch, am 27. 03. 1810 gab er ihm seine Tochter Maria Luise zur Frau. Hofer einerseits, Nachbauer anderseits konnten dies alles nicht begreifen. Als die Franzosen wiederum in der Tiroler Region einrückten, begannen sie einen letzten verzweifelten Kampf.

Wir können keine Sklaven werden, schrieb Hofer an Erzherzog Johann. „Wir sind ein Volk dem nichts übrig geblieben ist als Blut und Leben und das auch noch dieses der Freiheit und dem Vaterlande, seinem Kaiser und seiner Religion mutig und entschlossen zu opfern bringt…..“

Der Erzherzog konnte jedoch nicht helfen. Er war vom Hofe kaltgestellt worden, außerdem an den Friedensvertrag gebunden.

GEFANGENNAHME

Die Tragödie nahm ihren Lauf. Als die Franken die letzte Bastion des Widerstandes, den Hof des Sandwirts erstürmten, fanden sie Hofer nicht vor. Er war in die Berghütte auf die Pfandleralm geflüchtet. Dort feierte er mit Frau und Sohn Weihnachten. Dann im Jahr 1810 führte sein eigener Schwager Franz Raffl, der Judas von Tirol, die Häscher zu Hofers Versteck. Der Lohn für seinen Verrat, 15.000 Gulden…. Vor der Oberkommandantur von Aala im Etschthal zerren sie Andreas Hofer und seinen Gefährten, sein Schreiber Sweth, einen junger Scharfschütze vom Wagen, schieben ihn ins Haus. Dort gibt man ihnen zum ersten male zu essen: Brot und Käse. Kaum hat er sich ein wenig gestärkt, nimmt den Rosenkranz den er am Halse trägt und beginnt zu beten. Seine Bewacher aber, ein Offizier und ein Grenadier, trinken Rotwein, Glas um Glas.

Als es dunkel wird, bringt man die Gefangenen in das obere Stockwerk. Der Grenadier zündet in einem Kessel ein Feuer an, greift nach der Flasche. Mitten in der Nacht schreckt Hofer auf. Das Feuer hat Teile des Fußbodens ergriffen.

Die Bewacher schlafen tief und fest. Das wäre der Augenblick für eine Flucht. „Los! - wir können raus“ flüstert Hofers junger Begleiter, sein Schreiber Kajetan Sweth. „Die sind stock besoffen !“

Der Sandwirt aber schüttelt den Kopf. „Sie werden elendiglich verbrennen, wenn wir nichts tun“, sagt er ruhig.

Dann geht er in den Nebenraum, weckt den Kommandanten, löscht mit ihm das Feuer. Sie tragen einige bewusstlose Soldaten hinaus. Es war die letzte Chance, den Häschern zu entkommen. Doch Andreas Hofer blieb sich seinen Idealen, blieb sich selbst treu – bis in den Tod. Er wurde mit seinem treuen Begleiter Kajetan Sweth nach Mantua gebracht, vor ein Franzosenkriegsgericht gestellt. In letzter Minute versuchte Kaiser Franz seinen Getreuen zu helfen, vergebens.

HINRICHTUNG

Napoleon selbst bestand auf den Tod. Es wurde am 20. Februar vollstreckt. Die letzten Worte des Tiroler Freiheitshelden waren „ Ade meine schnöde Welt! So leicht kommt mir das Sterben vor, dass mir nicht die Augen nass werden“ Dann gab er dem Erschießungskommando selbst für sich das letzte Kommando: „Feuer!“ 1831 schrieb der Vaterländische Dichter Julius Mosen den Text eines Liedes über diesen aufrechten Mann. 1849 hat ihn Ludwig Erk vertont. Das “Andreas Hofer Lied“ mehr als nur eine Erinnerung an den Sandwirt vom Passeiertal.

Josef Sigmund Nachbauer

HEIMAT DES LEHRERS NACHBAUER

Unter den Führern aus der Zeit der Freiheitskämpfe zeichnet sich Josef Sigmund Nachbauer durch Vaterlandsliebe, Treue, Tapferkeit und kriegerische Begabung vor allen Anderen aus. Im Jahre 1759 in Rankweil geboren, finden wir ihn bereits siebzehnjährig als Lehrer in Brederis bei Rankweil.

Aus den Aufzeichnungen, welche er hinterließ, ersieht man, welche Freude er an seinem Berufe hatte, und späterhin auch, mit welch warmer Liebe er an seiner Familie und an seinem Hausstande hing, und wie er seine kleine, in Brederis heute noch von Herrn Schatzmann Gebhard gelegene Bauernschaft, mit Eifer und Sorgfalt betreute. Doch das sollte ihn der Krieg aus dem stillen, friedlichen Dasein reißen.

Als am 16. Dezember 1796 von Lauterach herauf Kanonendonner durch das Rheintal scholl, litt es ihn nicht länger in der Schule. Er eilte zur Wallstadt und beteiligte sich freiwillig am Kampfe. Er hielt als einfacher Schütze mit ein paar Kameraden einen wichtigen Bergposten ob Hörbranz. Von da ab zeichnete sich Nachbauer in allen Kämpfen dieses Jahres aus, und 1799 treffen wir ihn als Anführer der freiwilligen Scharfschützenkompanie von Rankweil im erbitterten Ringen um Feldkirch. Seine Tapferkeit und Umsicht erwerben ihm einen hervorragenden Anteil am Siege vom 23. März, der das feindliche Heer unter Massena in die Schweiz zurückdrängt. Mit Riedmiller, dem Führer der Bludenzer bemerkte er das Herannahen des Feindes, alarmierte die Stadt, forderte von dem die Verteidigung Feldkirchs leitenden Österreichischen General Jellachich das Aufgebot des Innländer Montafoner Landsturms, das dann im rettenden Augenblicke dem Feinde an der Letze entgegentrat.

Er führte freiwillig eine 55 Mann starke Schützenkompanie auf dem Schellenberg gegen einen übermächtigen Gegner und kämpfte 2 Stunden gegen diese Übermacht. Er trotzte auch auf seinem Posten am Margarethenkapf mit 150 Rankweilern und 40 Kroatischen Grenzsoldaten durch sechs Stunden dem hartnäckigen Ansturm eines weit überlegenen Gegners. Als beim dritten Angriffe seinen Schützen die Munition aus zu gehen drohte, gab er das Kommando zum Stein und Holzwurf, der allein noch Rettung bringen konnte. Nach furchtbarem Kampfe wurden die Franzosen auf allen Linien zurückgeschlagen.

Auch an der Erstürmung des Luziensteiges beteiligte sich Nachbauer, und am 13. Juli 1800 focht er mit seinen Schützen am Weitried bei Brederis mit hervorragender Standfestigkeit. Für seine Verdienste erhielt er nach dem Frieden die große Tapferkeitsmedaille in Gold und die goldene Zivil - Ehrenmedaille am roten Bande.

Doch dann kam das Jahr 1805. Österreich verlor den neuen Krieg, französische Heere besetzten das Land, und Vorarlberg so wie die übrigen Teile der Region Tirol mussten an das mit Napoleon eng verbündete Bayern abgetreten werden. Nachbauer aber gab die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht auf. Und als das Jahr Neun, die Erhebung Tirols brachte, sammelte er in nächtlicher Zusammenkunft die Bevölkerung von Rankweil, Sulz und Neuburg mit seinem Spruch: „Männer es ist hohe Zeit!“. Sobald dann der Österreichische Hauptmann Kamihel mit 120 Mann in Vorarlberg einrückte und, begleitet von nur 40 Bludenzer Schützen, in Feldkirch eintraf, führte ihm der Schulmeister von Brederis die starken Sturmhaufen und Kompanien zu.

Noch am Abend desselben Tages konnte Kamihel, von starken Schützenschwärmen begleitet, in Bregenz einrücken. Das vom Bayerischen Militär entblößte Ländchen war diesmal ohne Kampf für Österreich gewonnen. Von nun an sehen wir Nachbauer unter den leitenden Männern der Erhebung, und als am 20. Mai auf die Nachricht vom Einbruche der Franken ins Unterinntal die in Bregenz tagende Unterstädtische Schutzdeputation die bedingungslose Übergabe des Landes beschloss, gehörte er zu den freiheitstrotzigen Oberländer Führern, die von keiner Unterwerfung wissen wollten.

Während die Franzosen mit Bayern und Württembergern Bregenz besetzten, sammelte er wie schon so oft, vor dem uralten Peterskirchlein in der Nähe des heutigen Sigmund Nachbauer Denkmals in Rankweil, die Kampf entschlossenen Männer seiner Schar. Am 29. Mai rückte er dann mit ihnen sowie mit den Scharfschützenkompanien und Milizen und seinen Führern, seinem Adjutanten Ellensohn aus Götzis, und den Bludenzern unter Bernhard Riedmiller nebst Anderen dem Feinde welcher in das Oberland vorzustoßen versuchte, entgegen und führte seine Schützen kühn und umsichtig zugleich zum Siege vom Klien zwischen Hohenems und Dornbirn, wo die vereinte Macht des Gegners geschlagen wurde.

Nun brach der Aufstand noch gewaltiger und kräftiger als vordem aus. Die Freude über den schönen Sieg riss viele mit sich, die sich bisher zaghaft und vorsichtig zurückgehalten hatten. Nachbauer wurde vom hasenfüßigen Landtag mit sechs anderen Hauptleuten wenigstens zum Major ernannt. Seinem und Ellensohns Befehl unterstanden die 19 Kompanien des Oberlandes, die zahlreichen, kriegstüchtigen und erprobten Mannschaften Vorarlbergs. Ein Sieg den er wenige Tage später, am 13. Juni, über die Württembergischen Generäle Scherler und Phyll erfocht, zeigt die Vorarlberger auf der Höhe ihres kriegerischen Ruhmes. Phyll meldet dem Württembergischen König, unsere Bauern hätten sich durch die Kämpfe der vergangenen Jahre alle Vorteile des Gebirgskrieges angeeignet. Bis an Napoleon geht der Bericht, dass sie über eine militärische Tüchtigkeit verfügten, wie man sie bei solchen Truppen nicht erwarten würde.

Doch dann kam über Österreich das Unglück von Wagram, der Waffenstillstand von Znaim. Der Württemberger König forderte Vorarlberg zur Unterwerfung auf und der in Bregenz tagende Landtag vom 24. Juni beschloss, mit dem Feinde in Verhandlung zu treten. Während dieser Zeit gehörte Nachbauer abermals zu jenen Bauernführern, welche von keiner Ergebung wissen wollten.

Erst am Morgen des 6. August verließ er als einer deren Letzten Bregenz. Nun kam Vorarlberg neuerdings in die Gewalt des Feindes, und Nachbauer fühlte sich nicht mehr sicher. Er flüchtete in die die Schweiz.

Als er dort von noch andauerndem Widerstande der Tiroler erfuhr, schlug er sich über das Hochgebirge zu Andreas Hofer, fortan bald bei dessen Generalstab, bald bei den Freischaren am Arlberge weilend. Erst nach dem Friedensschluss kehrte er in die Heimat zurück. Trotz der versprochenen Amnestie aber wurde er von den Bayern ergriffen, durch einige Wochen zu Feldkirch in Haft gesetzt und aller Ämter in Gemeinde und Gericht sowie der Lehrstelle für verlustig erklärt, wodurch er in schwere Notlage geriet. Trotzdem vermochte er nicht, sich von der Heimat zu trennen, als ihm der Kaiser von Österreich in seinen Ländern einen Zufluchtsort und eine hohe Pension anbot. Diese Liebe zu seinem Ländle gereichte ihm zum Verhängnis.

Anno Dreizehn gehörte er zu den ersten Geiseln, deren sich die Bayerische Regierung beim Ausbruche des erneuten Krieges bemächtigte. Um Mitternacht vom 3. auf den 4. April rissen ihn Häscher aus den Armen seiner Frau und seiner drei kleinen Kinder. Besonders das älteste Töchterchen, die vierzehnjährige Anna Maria, weinte bitterlich, als man den Vater in die dunkle Nacht hinaus führte.

Er wurde zuerst nach München und später auf die Festung Ingoldstatt gebracht. Heimweh und Sehnsucht nach Weib und Kindern lasteten schwer auf dem durch die Mühsale des Krieges früh gealterten Manne. Die lange Haft drückte ihn nieder. Er erkrankte, und als er im Juni die Nachricht vom Tode seines lieben Kindes der Anna Maria, erhielt, verschlimmerte sich sein Zustand. Es klingt wie Ahnung durch seine Worte, wenn er seiner Frau im letzten Briefe, den sie von ihm erhielt, die Erziehung der Kinder ans Herz legt.

„Leb wohl, wir wollen füreinander beten. Ich bin nebst Gruß an Dich und die Kinder und Empfehlung in den Schutz Gottes. Dein getreuer Josef Sigmund Nachbauer.“

So lautet ein Abschied auf immer der Schmerzzerrissene letzte Gruß eines Sterbenden. Die nächste Nachricht die Frau und Kinder erhielten war dann auch die Todesbotschaft.

Wenige Tage bevor die anderen, von Bayern ausgehobenen Geiseln die Freiheit erhielten, war er fern der Heimat seinen Leiden erlegen – das letzte Opfer der treuen Liebe der Tiroler und Vorarlberger zu ihrem Österreichischen Vaterlande. In seiner Heimat blieb Nachbauer, Rebell und Freiheitskämpfer unvergessen, und heute schmückt den Platz neben dem uralten Peterskirchlein, wo er anno Neun die Bauernschaft der Gerichte Sulz, Neuburgs und Rankweils zum Kampfe am Klien gesammelt hat, Germanischer Tradition gemäß, ein schlanker Obelisk mit sich zum Fluge emporschwingendem Adler der Region Tirol, darüber das Landeswappen mit der Innschrift, der noch späten Enkeln von den Tagen des Helden und seiner munteren Schar erzählen wird.

Oberes Bild, von links:

  1. sitzend Kajetan Sweth als Hofers
  2. Schreiber, Speckbacher Josef als Hofers Adjutant
  3. Andreas Hofer als Landesoberkommandant von Gesamttirol
  4. Josef Sigmund Nachbauer als Landeskommandant von Vorarlberg
  5. Bernhard Riedmiller Kommandant der Scharfschützen aus Bludenz und Kommandant oberes Inntals als Adjutant Hofers
  6. Kapuzinerpater Joachim Haspinger
vom Maler Eisele Siggi