Der erste Kampf vor Lindau 1796
Der Mord an Indermauer

Es begann zu Zeit, als Napoleon sich anschickte, ganz Europa zu unterwerfen.

Ganz Europa?

Na! Na! So schneall schüßand dia Franzosa o net. Nein! Nein!

Ein aus unbeugsamen Regionaltirolern bestehendes Gebirgsland um Ulm von Isny über Bregenz nach Innsbruck bis Verona und Welschtirol, hielt energisch der anbrandenden Weltmacht der Franken an die geliebten Berge stand.

1792 / 1796 / 98 / 99/ 1800 / 05 / 09, stießen die Franzosen in das Regionaltiroler Rheintal, Inntal, Etschtal und Eisacktal vor.

Vorarlberger Schützen unter Führung des 37 Jährigen Josef Sigmund Nachbauer aus Brederis nähe Rankweil im Rheintal und des 30 Jährigen Schützenhauptmannes Andreas Nikolaus Hofer aus St. Leonhard im Passeiertal, leisteten ihnen mit ihren Kompanien und Führern in diesen 14 Jahren erbittertsten Widerstand.

Die Ereignisse im Gefolge der 1789 entstandenen Französischen Revolution, beunruhigten Europa. Als Österreich gegen die Behandlung des Französischen Königs Ludwig des 16. der mit Marie Antoniette der Tochter Maria Theresias verheiratet war, protestierte, erklärte Frankreich Österreich den Krieg. Dieser1792 ausgebrochene Französische Krieg berührte in Tirol und Vorarlberg in den ersten Jahren gleich empfindlich mit einer Sperre des Viehhandels gegen die mit Frankreich sehr stark Handel treibenden Länder Schweiz und Bünden, was den Verzicht auf die besten Einkäufer bedeutete. Jahrelang wurde diese unsinnige Sperre, eine Hauptquelle der Armut in der Wirtschaftsregion Tirol aufrechterhalten. Nur waghalsiger Schmuggel konnte den Schaden lindern.

Ebenso schwer traf das Regierungsverbot der Saisonarbeit in den revolutionären Staaten. Im ersten Koalitionskrieg 1792 bis 1801, hatte sich Österreich, England, Russland und Sizilien, Sardinien mit den Türken, auch einige Zeit mit Preußen und Spanien welche in einem späteren Sonderfrieden ausschieden, gemeinsam zu einer Koalition zusammengeschlossen. Kriegsschauplätze waren damals die Österreichischen - Niederlande, Norditalien und Süddeutschland. Später kämpfte Österreich alleine weiter.

1796 näherte sich der Wirtschaftsregion Tirol mit dem Vormarsch des Generales Bonaparte in Italien welches diesem nichts entgegenzustellen hatte, im Gegenteil, von Bünden her erstmals direkte Feindgefahr. Einsatz für die eigene Heimat war in allen Kreisen bei Jung und Alt noch selbstverständlich, am wenigsten in einigen der Wirtschaft in den Städten und Industrieorten, egoistisch Wirtschaftlich denkend auf die eigene Substanz bedacht, doch meist noch zur Heimlichkeit genötigt.

So besetze man mit der Landwehr Tirols und in Vorarlberg aus den Herrschaften Bludenz und Sonnenberg die Passhöhen.

1798 drangen die Franzmänner durch Massena mit 30.000 Mann in die Schweiz ein. FML Hotze 25.400 Mann in Vorarlberg und Graubünden. In Süddeutschland Erzherzog Karl mit

78.000 Mann. Der Feind Bernadotte mit 48.000 Mann am Rhein, der Gegner Jourdan zwischen Straßburg und Basel 46.000 Mann. Kray der Später Erzherzog Karl ablöste stand mit 75.000 Mann im Etschgebiet, der Franzose Scherer mit 56.000 Mann in der Lombardei und Mittelitalien, Mac Donald in Unteritalien mit 30.000 Franken. Später 1799 war dann Napoleon alleiniger Herrscher über ganz Frankreich.

Inzwischen erforderte die militärische Situation die Erfüllung neuer Aufgaben durch Feldmarschallleutnant von Hotze. Erzherzog Karl hatte den linken Flügel seiner Truppen bis zum Bodensee ausgedehnt. So besetze man mit der Landwehr aus den Herrschaften Bludenz und Sonnenberg die Passhöhen gegen Graubünden und traf am 27. Mai 1796 auf dem Konferenztag zu Feldkirch ernsthafte Maßnahmen, vor allem man höre und staune, beschloss man enge Zusammenarbeit mit den restlichen Ländern der gesamten Wirtschaftsregion Tirol.

Auf den 8. Juni berief der Landeshauptmann des Kreises Vorarlberg, Ignatius Anton von der Indermauer die Stände zum Verteidigungslandtag nach Bregenz. Es wurde vieles beschlossen um der Landesverteidigung den geordneten Rahmen zu geben. Jeder Stand musste Ausschussmilizkompanien bereitstellen zu je 3.000 Mann als erstes und dem Selben als zweites Kontingent.

Im Falle dringender Not habe auch der Landsturm, nach dem alten Maximilianschen Wehrgesetz vom 16. bis 18. und 50. bis 60. Lebensjahr verpflichtend, darüber hinaus freiwillig auch für Frauen zur Landesverteidigung einzurücken. Außerdem wurde als große Neuerung in jeder Stadt oder jedem Gericht in Vorarlberg, Korps von Freiwilligen Schützen aufgestellt und zwar im Rahmen der ersten zwei Aufgebote, Kompanien von Scharfschützen mit grünroter Montur. Um in dieser Eliteeinheit dienen zu können, musste man eine bestimmte Schießqualifikation erfüllen und einen einwandfreien Leumund. Auch wurde die geistige und körperliche Anforderung geprüft. Diese Einheiten waren immer zur besonderen Verwendung und unterstanden dem direkten Kommando des jeweiligen Gerichtes durch den Landammann. So auch unsere Scharfschützenkompanie Vorderland (damals Gerichte Neuburg und Sulz von Altach bis Zwischenwasser) 1898 durch den in Weiler im ehemaligen Gasthaus zum Hirschen wohnhaften Landammann des Gerichtes Sulz, Hauptmann Johann Andreas Watzenegger. Wieder sollte die Wahl der Anführer so wie es geschrieben stand seit 1511, aufwärts bis zum Hauptmann, (so auch heute noch) der Mannschaft überlassen sein.

FRANZOSEN IM STURMSCHRITT

Das Oberkommando (zumindest am Papier, was Papiere wert sind lesen sie noch öfters) übernahm der ständische Präses, Kreishauptmann (eher Häuptling) Indermauer. Doch für die von Bünden her bedrohten Gerichte Montafon, Bludenz, Sonnenberg und Vadutz erhielt der Baron von Sternbach als Pfandinhaber, auch Offizier mit Erfahrung und Liebe für das Land Vorarlberg die militärische Oberaufsicht.

Während die umfangreichen Vorbereitungen unter dem unkundigen nur auf seinen Eigendünkel achtenden Oberbefehlshaber und mangels Unterstützung aus Österreich nicht recht vorwärts kamen, bei schlechter Stimmung im Volk, hatte der Frankengeneral Moreau den Rhein überschritten und war tief in Schwaben eingedrungen, so dass Vorarlberg auch von dieser Seite bedroht erschien.

Warum bedroht? Wehren wir uns nicht, brauchen wir uns nicht zu fürchten“, meinten so Manche. Dass aber unabhängig dessen geraubt, geplündert vergewaltigt, Hände abgehackt und gebrandschatzt würde, rückte die Meinung der Einfältler und Egoisten diplomatisch gesagt Friedensstifter, in ein anderes Licht. „Auch dürfe man die Verantwortung für die Nachbarländer im eigenen Staate nie vergessen“ meinten die Patrioten.

So entstand ein eiliger Fluchtwille der Bregenzer Landes und Stadtpolitiker so wie auch die ansonsten so scharf für die Gesetzespflicht ordnenden Beamten. Saubere Oberbefehlshaber, wollten nur ihr Geld und ihre Habe ins Tirol und in die Schweiz retten!

Als der Montafoner Landammann Johannes Josef Batlogg dies erfuhr, eilte er mit einer Gruppe “Schützen“ nach Bregenz und stellte Indermauer zur Rede.

Der Landtag wurde am 8. Juli dann doch von Indermauer zu Bregenz eröffnet, der auf die mögliche Verteidigung der Französischen Rheinarmee mit der Italienischen Armee Bonapartes auf Vorarlberger Boden, so wie auf die Schläfrigkeit der Stände hinwies.

Das Zögern in beiden Städten von Bregenz und Feldkirch überwanden die Montafoner und Bregenzerwälder mit ihrer entschlossenen Erklärung, Bregenz auf jeden Fall zu halten. Welch edles Wort in einer Zeit der Unentschlossenheit und Meinungsverschiedenheiten wo der Feind bald vor den Toren stand.

So wurde endlich der Beschluss gefasst, am 11. Juli die Landwehr und die nun aufgestellten Kompanien mit ihren Hauptleuten in Opfenbach, Lingenau, Götzis und Bludenz zu mustern und zu vereidigen, die vier Kompanien bis zur völligen Rüstung an die Grenzen zu stellen und durch den ersten Ausschuss eine teilweise verschanzte Linie von der Bregenzer Klause bis an den Sulzberg zu errichten.

Die fehlenden Gewehre und Munition ohne die der Baron von Sternbach und die Landammänner nicht kämpfen konnten, sollten endlich herbeigeschafft, die unbrauchbaren durch Schützenmeister in Ravensburg oder Saulgau gegen Bezahlung und besonders “Douceur“ (Trinkgeld) schnellstens repariert werden.

Als von Innsbruck kein erwünschter Bescheid eintraf, wurde in Wien mit Estafetten durch den ständigen Agenten beim Kaiser selbst um rascheste Hilfe angesucht. Dieser gab die Zusicherung, der General Wolf werde das Land von innen her schützen. General v. Fröhlich im Verband der Rheinarmee von außen. Zudem war Anfang Juli der Generalmajor von Gräffen mit einigen Truppen in Bregenz eingetroffen. General Wolf zog sich mit seinen drei Bataillonen und einer kleinen Reitertruppe den Bodensee entlang von Überlingen hinter die Leiblach zurück, mit Abstand gefolgt vom Französischen General Paillard, der Anfang August Lindau besetzte.

Ende Juli stand die Nordarmee der Österreicher bei Würzburg, die Südarmee bei Donauwörth.

Am 4. August erhielt die Landwehr den 1. Befehl auszurücken und die weite Verteidigungslinie von Bregenz bis Isny zu besetzen. Schon am 6. August gab es ein kurzes unentschiedenes Gefecht zwischen Lindau und Bregenz.

Am 7. gab Indermauer den Anführern bekannt, dass die Grenzen Vorarlbergs mit aller Macht verteidigt würden, hiezu fühlte sich die 6.000 Mann starke, allerdings erst am Abend des 8. August komplettierte Landwehr mit dem Militär stark genug, besonders, weil da ein paar Tiroler Schützenkompanien von Paznaun, Pettneu, Ischgl unter Hauptmann Stöckl und Andere aus dieser Region eintrafen und die 3.500 Mann zählende Truppenmacht, die von Fußach bis Hörbranz aufgestellt war, in vorderster Front, teilweise auch die Landwehr der Berge zu verstärkten.

Nun entstand ein hitziges Gefecht an der Leiblach zwischen Reutin und Lochau. Fast gleichzeitig wurden die Truppen verständigt, worauf anlässlich einer Siegesnachricht aus der Italienerfront ein Freudenfeuer abgehalten wurde.

Diese unpassende Schießerei in die Luft verriet die ganze Aufstellung dem Feind, die es plötzlich in der Mittagshitze erwiderte und zum Angriff ansetzte, ohne dass die entfernte stehende Landwehr dies erkannte. Ein Oberkommando gab es nämlich nicht, weil die beiden Generale Wolf und Gräffen uneins waren. Allzu spät erschien Wolf auf dem Kampfplatze.

So kam es, dass außer der Bregenzer Scharfschützenkompanie und der Bludenzer Scharfschützenkompanie, den Landwehrbürgermilizkompanien von Götzis, Koblach, Mäder, Laterns, Fraxern und Viktorsberg nur ganz wenig Militär und Landsturm in den Kampf eingriff.

FRANZÖSISCHE ARTILLERIE ERÖFFNET DEN KAMPF

Die Landwehr sei so “verstellt“ gewesen, dass außer den Bregenzern kein Mann mehr zum Schuss kam bei solchem vorpreschen des Feindes mit ihrer Reiterei und hatte auch keiner Ordere, von seinem Posten zu weichen“, behauptet der Bregenzer Weinhart.

Das Österreichische Militär zog sich von der Leiblach zurück, wurde teilweise samt Bludenzer Scharfschützenkompanie unter Hauptmann Riedmiller in die Enge getrieben, auch die anderen Kompanien mussten sich aus taktischen Gründen nun in den Bregenzerwald zurückziehen.

Diese sammelten sich aber wieder, unterstützt von Rittmeister Kovachs Husaren gingen sie erneut zum Gegenangriff über und warfen in Mut und Vorwärtsstreben in vorbildhafter Manier im wahrsten Sinne des schönen Wortes, gemäß einem Husarenstreiche, die Franzosen bis Reutin zurück. Die Fehler der Führung waren wettgemacht, auch trafen eben größere Verbände der Oberländer Landwehr in Bregenz ein.

Umso tiefer war die Enttäuschung, als die Generäle noch am selben Abend beschlossen, die intakten Stellungen an der Leiblach und im weiteren Umkreis vor Bregenz, die Stadt selbst und das ganze Land ab dem kommenden Morgen um 4 Uhr zu räumen. Wolf zog sich teils über den Arlberg, teils in der Richtung auf Oberstaufen ins Tirol zurück, Gräffen verschanzte sich bei Dalaas, dessen Vorposten bis Altenstadt und Brederis patrouillierend.

Als Indermauer die feste Stütze des Militärs verloren sah, enthüllte er sich. Er brach sein an den Montafoner Landammann Johann Josef Batlogg wiederholtes Versprechen, wie jeder andere das Land zu verteidigen und verriet schändlich seine Pflicht als Oberkommandant. Im Volk galt er als Verräter, Verkäufer des Landes und Fahnenflüchtiger. Das schmähliche Verhalten der Landesbehörden die hoch erhaben über das Schicksal der Untertanen sich ohne Scham davon machten, konnte ihn nicht entschuldigen. Das war der Oberhäuptling der Landesverteidiger!!!!

Die allgemeine zornige Verurteilung durch die Landesbewohner zeigte ja schon, wie ein solcher Fehltritt einzuschätzen war. (Und die Regierung wusste auch was sich gehörte, sie gab diesem Urteil Recht, als sie im nächsten Angriff 1799 dem Nachfolger Indermauers dem Kreisamtgeneral Vicari verbot, auch im Ernstfall das Land zu verlassen.)

Mitten in der Nacht berief er die in Bregenz anwesenden Konferenzstände und teilte ihnen mit, sein Wirken habe ein Ende, er gehe befehlsgemäß nach Landeck und werde, um nicht ins Gedränge zu geraten, um zwei Uhr früh am 9. August abreisen.

Andere Herrschaften waren ebenfalls schon im Begriffe zu flüchten. Der anwesende Vizepräsident der Vorderösterreichischen Regierung Graf von Bissingen war gerade im Begriff, nach Rohrschach zu flüchten, schon hatte er Indermauer überredet mitzukommen und ein Teil von dessen Gepäck war schon im Wagen untergebracht, als sich dieser doch für die Flucht nach Tirol entschied.

Jedermann wusste nun was von diesem Befehl aus Landeck zu halten war. So begann er die Fluchtreise ins Tirol mit der Begleitung von Oberamtsrat Dr. Franzin. Zu Pferde folgten andere Oberamtsbeamte und auch der Bregenzer Bürgermeister Weber, alle bewaffnet und von sechs Husaren begleitet. Überall auf dem Weg von Indermauer war ein paar Stunden vorher die Masse der Landesverteidiger voll Zorn über die Führung, nach Hause gekommen, schrie über Untreue und Landesverrat und suchte voller Argwohn nach Mitschuldigen.

DER FÜHRUNGSSTAB BERATET KUPFERSTICH ORIGINAL, BEMALT.
  1. SONNENBERGER SCHARFSCHÜTZE
  2. DRAGONEROFFIZIER DE VINS
  3. INFANTERIEOFFIZIER VOM REGIMENT MOLTKE
  4. BÜRGERSCHÜTZE VOM RAUM UM FELDKIRCH, LIECHTENSTEIN ODER MONTAFON

Die Flüchtenden kamen bis Bludenz, dort wurden sie von Bludenzern und Montafonern angehalten. Es gelang Indermauer seinen Wunsch durchzusetzen, in das nahe Kloster St. Peter zu fahren. in der Absicht, aus der Stadt durch die schnellen Pferde gegen Arlberg zu entrinnen. Doch in St. Peter mussten sie bleiben, wurden verhaftet, die Soldaten beugten sich dem Volkszorn und griffen nicht ein und kehrten zu ihrer Einheit zurück.

Dort wurden Indermauer, so auch der Bregenzer Bürgermeister Weber und auch Dr. Franzin vom wütenden Montafoner Bauern durch zahlreiche Hiebe am 10. August getötet ausgezogen und nackend auf die Straße geworfen.

Am selben Tag früh morgens erschien eine etwa zwanzigköpfige Abordnung der Bürger und der Landstände bei General Paillard und dem Major Dumas und erbaten um Gnade mit Ehrengeschenken. Das war natürlich nie im Sinne der kampfwilligen Bürgerwehren. Doch schon am 11. und 12. August unternahmen diese Mörderbanden trotzdem Raubzüge bis Dornbirn und Götzis. Der Frankengeneral befahl einen Landtag für das von ihm kontrollierte Vorarlberger Unterland und bestellte den schon vorher als Parlamentär fungierten Dolmetscher Joseph Brentano als Landtagspräsident.

Im Unterland bis Götzis hinauf und im Bregenzerwalde, sowie in Sulzberg, verübten die Franzosen die gröbsten Erpressungen an Bargeld, Vieh, Pferden, Lebensmitteln, Kleidern und Wäsche. Den oberen und inneren Gemeinden des Rhein und Illtales, sperrten die Franken unter General Pillard die Getreidezufuhr aus Schwaben.

Aber wie die Erzählung weiter geht lesen sie in der nächsten Rubrik.

Kampf um Vorarlberg