Persönlichkeiten der Kriege 1796 - 1813 in Tiol, Vorarlberg, Liechtenstein

Männer der Geschichte in den Franzosenkriegen Vorarlbergs und Tirols

Kaiser Franz 2. von Österreich 12. 02.1768 – 1835 wurde am 6. Juni 1792 in Buda zum König von Ungarn, am 14. Juli in Frankfurt am Main zum römisch – deutschen Kaiser und am 9. August in Prag zum König vom Böhmen gekrönt. Am 11. August 1804 nahm er den erblichen Titel des Kaisers Franz des 2. von Deutsch - Österreich an. Am 6. August 1806 legte er durch die Militärische Niederlage in Deutschen Landen, die Würde eines Kaisers seines Reiches zurück und gab als Kaiser Franz der 1. die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bekannt. Somit war das langsame Sterben der Habsburgmonarchie eingeleitet.

Erzherzog Karl von Österreich 1771 – 1847 wurde 1796 Reichsfeldmarschall. Seine große Stunde schlug 1809, als er bei Aspern in offener Feldschlacht Napoleon die erste große Niederlage beibringen konnte. Vorher schon hatten die Vorarlberger und Tiroler dem Feldherrn aus Frankreich öfters wahrlich das Fürchten gelehrt.

Erzherzog Johann, 18. 01. 1782 - 1859. Er war der jüngste Bruder von Kaiser Franz. Gerade die Kadettenanstalt und Offiziersausbildung erfolgreich absolviert, war er 18 Jahre, als die Kämpfe gegen den Kaiser Napoleon (vorher war dieser ja nur General) wieder begannen. Großes Misstrauen hegte Kaiser Franz gegen den populären Erzherzog, den er am meisten, vor den Sozialistisch Freimaurerisch - Liberalen Spinnereien seines Vaters Josef und seines nicht minder dagegen schwach vertretenden Onkels als damaligen Nachfolger für den Übergang, bewahrt hatte. Vor der eigentlichen Auseinandersetzung mit den Franken, schickte man den Erzherzog nach Tirol. Hatte sich der junge Lotringen - Habsburger bisher schon intensiv mit dem Kampf der Schweizer gegen Frankreich beschäftigt, für die er eine Art phantastischer Zuneigung entwickelte, kam nun bei dem leicht entflammbaren Erzherzog auch eine große patriotische Tirolbegeisterung dazu. Aber eines erkannte er rasch: dass die als Landesverteidiger aufgestellten Tiroler, Vorarlberger und Schweizer auch Salzburger Schützen, weit größere Bereitschaft zum Kampfe zeigten als andere Armeeeinheiten Österreichs, weil diese wussten wofür sie kämpften mussten. Am 3. Dezember 1800 stand Johann mit der Armee in 13 Linden, bei München.

Der eigentliche Oberkommandierende war Feldmarschall Lauer, Johann war sozusagen bei ihm in der Generalstabslehre, obgleich er offiziell das Oberkommando hatte. Der Kampf war bald zu Ende und er musste sich ins Oberösterreichische zurückziehen wo sein Bruder Karl auf bitten Franz, einen Waffenstillstand vereinbarte.

Nichts desto trotz war Johann ein großer Befürworter der Bürger und Bauerntruppen, worauf er die Schützenhauptleute Hormayr, Hofer und Nachbauer kennen lernte und mit diesen die Abwehrkämpfe in Tirol unterstützte.

Rebell gegen seine Brüder Franz und Karl war er trotzdem keiner, blieb Ihnen gegenüber loyal und hielt sich ab 1813 weitgehend vom Politleben zurück.

Franz Freiherr von Jellacic 1746 – 1810, Feldmarschall Leutnant ab 1800, stammte aus einem kroatischen Adelsgeschlecht. Seine Militärische Laufbahn begann 1763. Er hatte 1799 als Generalmajor das Kommando bei der Verteidigung Feldkirchs. Die Städte Bregenz, Feldkirch und Bludenz verliehen ihm die Ehrenbürgerschaft

Friederich Freiherr von Hotze, 1739 – 1799, Feldmarschall Leutnant, stammte aus dem Kanton Zürich. Seine militärische Laufbahn begann 1758. Er hatte das Oberkommando über die Österreichischen Truppen im Vorarlberger und Schweizer Raum und fiel am 25. September 1799 bei Zürich im Kampf gegen die Franzosen. Unten das Ehrengrab in Bregenz. Begraben liegt er aber bei der Kapelle.

1. Tafel: Hier ruht Friederich Freiherr von Hotze k.k. Österr. Feldmarschall-Leutnant und Commandeur des Maria Theresienordens, Ehrenbürger von Bregenz, Feldkirch und Bludenz

2. Tafel: Er starb den Heldentod für seine Monarchie und das Vaterland bei Schänis in der Schweiz am 25. September 1799.

3. Tafel: An seiner Seite fiel sein Adjudant Generalstabschef Maximilian Graf von Plunket. k. k. Österr. Oberst im Infanterie – Regiment No. 60

General zu Auffenberg war 1796 Oberkommandant aller Truppen und verantwortlich für die Vorbereitungen und Durchführung der Landesverteidigung in Werken und deren Strategie.

Durch einen Blitzangriff wurde Auffenberg durch Massena vorzeitig gestellt. Dieser konnte am 06. März 1799 den Franzosen mit seinen 6.500 Mann nichts mehr Funktionstüchtiges entgegenstellen worauf der Rückzug angetreten wurde. Mit dabei auch die Tiroler Kompanie Innsbruck – Hötting. Doch der Generalstab zog sich zu alledem viel zu spät ins Liechtensteinische worauf sie überrascht wurden und es zum Kampfe kam. An den Thoren vor der Stadt Chur am 07. März 1799, wurde er im Gefecht durch einen Säbelhieb im Gesicht, Schulter und am Arme verletzt. Ein Oberst Lacorix hatte ihn zum Gefangenen gemacht und nach Besancon abgeführt.

Hauptmann Gerbert vom Regiment Brechanville war Kommandant aller Oberländer Truppen Vorarlbergs 1796 - 1800.

Rittmeister Loy vom Dragonerregiment Erzherzog Johann, war Kommandant aller Unterländischen Truppen Vorarlbergs 1796 – 1800 und wurde von Hauptmann Philipovitsch vom Regiment Peterwardeiner 1800 im Mai abgelöst.

Schützenhauptmann Josef von Hormayr, Freiherr von Hartenburg und Intendant in Tirol. Geboren 1781, am selben Tag den 20. Jänner wie Erzherzog Johann, dh. besondere Verbindung zu diesem. Er wurde Staatsarchivar in Wien und war als Berater in allen Tirol betreffenden Fragen, aber auch als Freund, den Ehz. Johann als Verbindungsmann einsetzen konnte. Hormayr wurde Intendant von Tirol (Region) und zwar Jener der Dr. Anton Schneider persönlich kannte und Diesen zum Landeshauptmann ernannte zugleich Sigmund Nachbauer als Landeskommandant. Hormayr spielte 1805 eine wichtige Rolle im Zuge der Aufstandsvorbereitungen und auch als Führer im Befreiungskampf selbst. Er starb im Jahre 1848.

Schützenmajor Andreas Nikolaus Hofer aus dem Passeiertal. Geboren 1767 den 22 Nov. im Sandhof zu Passeier. Verheiratet mit Maria, ein Sohn, Gastwirt, Bauer und Pferdehändler. Er wuchs mit drei älteren Schwestern auf, als Sohn des Josef Hofer. Seine Mutter verlor er mit drei Jahren. Sein Vater, mittlerweile ein 2. mal verheiratet, starb als Andreas 7 Jahre zählte. So blieb ihm seine Stiefmutter Anna Frick, eine waschechte Vorarlbergerin aus der Region unseres Vorderlandes und seine Schwestern bzw. später der angeheirateten Schwäger Josef Griener und Franz Raffl.

Er wurde 1809 zum Major ernannt, Revolutionsführer in der Region Tirol. Hofer führte 1809 seine Tiroler dreimal siegreich am Bergisel und war Oberkommandant der gesamten Region Tirol. Andreas Hofer wurde vom eigenen Schwager Raffl verraten und starb aufrecht durch eigenes Kommando am 20. Februar 1810 nach 12 Kugelhageln zu Mantua, erst durch einen direkten infroto Kopfschuss des Hinrichtungskommandörs.

Kapuzinerpater – Oberschützenkurat – Kommandant Joachim Haspinger, geboren 1776 in Südtirol. Revolutionär der Kirchlichen Seite, besonders 1809 und direkter Vertrauter von Andreas Hofer. Er starb erst 1858. Für diese Zeit ein hohes Alter.

Major Speckbacher, geboren 1772, verheiratet mit Maria, einen Sohn, zwei Töchter, persönlicher Freund von Andreas Hofer und Kommandant im nördlichen Tirol, hauptsächlich im Zentral und Unterinntal.

Er war lange geächtet, konnte lange Zeit in abenteuerlichen Fluchtaktionen teils ohne Nahrung den Bayern meist über die Berge immer wieder entkommen

Er war Monate lang in einer Höhle versteckt, war dann unter einem Boden im Stall seines Hofes wo er vom Knecht gesund gepflegt wurde. Er floh dann nach Wien. Als seine Frau auf Besuch war, wurde sie bei deren Rückkehr von den Baiern 13 Wochen in Gefangenschaft gehalten. Nach der Rückkehr Tirols zu Österreich ging auch Speckbacher nach Hause. Er erhielt vom Kaiser die Majorswürde und ein Gnadengehalt von 1.000 Gulden. Sein Sohn Andreas kam in der Gefangenschaft zum Bayrischen König wo er in einem Königlichen Gymnasium herangebildet wurde. Er widmete sich als junger Mann nach der Praxis im Gusswerk zu Maria Zell in der Steiermark, in Tirol der Bergmannswissenschaft. Gleich nach dem Frieden kam er wie sein Vater nach Hause.

Major Speckbacher starb als 52 jähriger Mann 1820 anhand seiner Krankheiten vieler Strapazen durch den Krieg, an einem Nervenleiden.

Hauptmann Peter Mayr aus Brixen, der Wirt an der Mahr. Dort war das Zentrum eines allerletzten Widerstandes gegen die Franzosen und die Anführer dieses letzten aussichtslosen Aufbäumens wurden auf dem Domplatz von den Franken öffentlich hingerichtet.

Auch hier zeigt sich in der Tracht der heutigen Kompanie “Peter Mayr Brixen“ des ehemaligen Gerichtes, dass es sich gemäß der Farbe in grün-rot, wie in allen Gerichtsbezirken im ganzen Tirol um die ehemaligen Scharfschützen handelt.

Verbindungsoffizier und Schützenhauptmann - Landsturmmajor Martin Teimer, Geboren 1778 in Schlanders. Er war einer von so manchen Widerstandskämpfern, die sich durch Klugheit, Tapferkeit und Strategischem Geschick, oftmals für Andere in höchster Not die Kartoffeln aus dem Feuer holte und dennoch, sei es aus welchen Gesichtspunkten auch immer, nie zur Legende wurde. Und gerade darum möchte ich diesen tapferen umsichtigen Studenten (Gymnasium und Jus), in die Reihen Jener stellen welche Großes geleistet haben und offiziell Geschichte schrieben. Er sei stellvertretend vieler hier Nichtgenannten. Was er in Tirol erreichte, erreichte Jubele in Vorarlberg und ich bin überzeugt dass diese sich persönlich auch miteinander organisiert hatten. Als Retter von Innsbruck nach der ersten Bergiselschlacht darf man ihn nennen. Als nur ein kleineres Kontingent von 1.000 Baiern unter dem Kommando General Kinkel, welcher besiegt in Innsbruck gefangen, war der Großteil der Bauern in Siegerlaune dem Zechen und Trinken angetan; als ein größeres Grenadierregiment von 5.630 Mann am Brenner in Anmarsch war. Reiter verkündeten das Nahen. Eiligst versuchten wenigstens die noch nüchternen Bauern eine Verteidigung aufzubauen. Die Triumphpforte Maria Theresias wurde zur Barrikade ausgebaut. Man stellte Kanonen usw. Als dann der Grenadiergeneral in Wilten ankam, zog Teimer eine Österreichische Offiziersuniform an und gab dem Feind General Bisson in Wilten selbstbewusst zu verstehen mit erzherzoglicher Order und allerhöchsten Befehl Österreichs ausgestattet, dass ihre Lage aussichtslos sei und forderte bedingungslose Kapitulation der Franzosen samt ihnen angeschlossenen Einheiten. Um neun Uhr kapitulierte Bisson im Gasthof Oberrauch. Dieser glaubte wirklich die Österreicher wären schon in Innsbruck, konnte er nie glauben, dass das die Schützen alleine vollbrachten. So legte der Franzosengeneral die Waffen nieder und ging mit Mann und Maus in Gefangenschaft. Ein ganzes Chor Franzosen, dazu einige Bayerische Regimenter legten in den folgenden Stunden unter demütigenden Bedingungen die Waffen nieder. Offiziere der Großen Armee ergaben sich einem 1.000 Mann starken Bauerntruppe und einem Fuchs, Schwindler und Schlitzohr in geborgter Uniform. Insgesamt 2 Generäle, 130 Offiziere, 5.500 Mann mit zwei Adlern, drei Fahnen und 800 Pferden erbeuteten die Tiroler Schützen.

Auch beim zweiten Bergiselkampf war Martin Teimer jener, der die Oberinntaler Kompanien in höchster Not organisierte und nach fast aussichtslosem Kampf diese Sturmtruppen nach Innsbruck heran führte und damit den Siegesumschwung brachte. Auch führte er Einsätze gegen den Feind in Bayern und Illertal, vermutlich auch einmal in Vorarlberg am Bodensee bei Konstanz gegen die Franzosen in der Schweiz.

Hauptmann Landammann Johann Josef Batlogg, Oberkommandant des Bataillons Gericht Montafon und Kommandant der Montafoner Scharfschützenkompanie. Geboren am 11. Oktober in Vandans als Kind einfacher Bauersleute. Er wurde durch einen Mesmer im Lernen gefördert, machte mit Rechtsstudien große Fortschritte. Am 4. Februar 1779 vermählte er sich mit Maria Josefine Bitschnau von St. Anton und übersiedelte dahin. Anfangs war er Bauer, (Gasthaus zum Adler). Als Ratgeber und Friedensvermittler in Rechtsfragen, war er nicht nur in Vorarlberg, sondern selbst in Schwaben und der benachbarten Schweiz eine beliebte und vielgenannte Persönlichkeit.

Mit besonderem Eifer nahm er sich der Armen und Unterdrückten an, wodurch er sich seinen keinen Reichtum, wohl aber manche Gegner unter den Reichen verschaffte.

Als im April 1789 die Stelle eines Landammanns und Richters fürs Montafon neu zur Bestetzung kam, wurde er zuerst Verweser und später Inhaber dieses ersten Amtes im Motafon. Bei der Versammlung der Landstände in der Kriegsvorbereitung, war er einer der tätigsten. Im August 1796 befehligte er zuerst die Montafoner Milizen und unterstand ihm die Milizkompanie Tschagguns in direktem Befehl.

Erstmals stellte er in Bregenz den Vorarlberger Landeshauptmann Indermauer als Oberkommandanten des Landes zur Rede als ruchbar wurde dass dieser türmen wollte.

Als am 10. August 1796 im Kloster St. Peter bei Bludenz der vor den Franzosen flüchtende Kreishauptmann Indermauer gemeuchelt worden war, wurde Batlogg durch seine Gegner verdächtigt. Danach vom 21. August an führte er eine aus seinen Milizen ausgewählte Scharfschützenkompanie und formierte seine Tschaggunser vorhergehende Miliz im obigem Namen, Trachten grün – rot und Personen neu. Am 26. August traf er mit seiner Kompanie abermals bei Dornbirn mit einer Frankenabteilung zusammen und trieben diese vor sich her. An beiden Tagen war der Montafoner Landammann Hauptmann Batlogg so sehr im Vordertreffen, dass die Landstände ihm am nächsten Tage von Feldkirch aus eine Estaffette zukommen ließen, wo sie schrieben, er möge sein Leben nicht ohne Notwendigkeit zu sehr der Gefahr aussetzen.

Am 11. Dezember 1797 wurde Batlogg zu Innsbruck in Haft genommen, bis seine brave Gattin am 22. Dezember beim Statthalter die Überführung in ein erträglicheres Gefängnis erbat. Nach dem Gerichtsbeschluss kam die Unschuld des Landammanns bezüglich Indermauer ans Licht und der Kaiser ordnete am 19. März 1798 seine sofortige Freilassung bei vollster Rehabilitation und Wiedereinsetzung seiner Ämter an. Unter ungeheuerem Jubel des Volkes wurde der schwer geprüfte Landammann in seiner Heimat empfangen und unter Böllerknall am nächsten Tage zu Schruns wieder in sein Amt eingeführt. Am 12. November wurde ihm zu Bregenz vor dem versammelten Personale des Kreisamtes eine vom Kaiser verliehene goldene Medaille überreicht.

Nun brach wieder der Krieg aus. Er kämpfte mit seinen Kompanien 1799 in der Schlacht um Feldkirch am Letzebühel erfolgreich.

Am 24. März einen Tag später, schlug der Montafoner Hauptmann Landammann Johann Josef Batlogg mit seiner Scharfschützenkompanie und der Tschaggunser Landsturmtruppe und Milizkompanie Schruns unter Hauptmann Ignaz Vonier, Milizkompanie St. Gallenkirch unter Hauptmann Anton Kessler und einer Abteilung Infanterieregiment Neugebauer mit Korporal Valentin Schluck, den Franzosenangriff aufs Schlappiner Joch zurück.

So führte auch Batlogg am 14. Mai 1799 persönlich eine Kolonne Montafoner in 12 Stündigem Marsche durch das Rellstal und Schweizer Tor ins Prätigau und half in ausgezeichneter Weise dem General von Hiller bei der Gefangennahme einer größeren Abteilung Franzosen an der Schlossbrücke in der “Klus“.

Auf dem Rückwege nahm der ermüdete Landammann um gänzlicher Ermattung zu wehren, einen Trunk kalten Schneewassers, der ihm den Todeskeim in die Brust setzte. Schon durch die zweimonatlichen Anstrengungen bei der Bewachung der Gebirgspässe, die vorausgegangene Kerkerhaft war die Gesundheit des sonst starken, sechs Fuß hohen könchernen Mannes arg geschwächt worden. Nun bekam er einen kräftigen Husten, Fieberschübe, was ihn nie mehr ganz verließ. Zwar stand er noch einmal Ende November und Anfangs Dezember 1799, bei Meiningen mit seiner Kompanie auf Wacht und auf Grenzpatrouille. Allein seine Gesundheit war so erschüttert, dass er heimkehren musste. Er war das letzte mal im Felde. 1800 konnte er nicht mehr ausrücken, so ernannte man ihn zum Ehrenhauptmann. Als er im Bette danieder lag musste er noch mit ansehen wie die Franzosen seine Heimat vom 20. Juli an besetzt hielten. Er starb durch Erkrankung und Schwäche am 25. Oktober 1800. Josef Sigmund Nachbauer starb auf den Tag genau 13 Jahre später.

Große Tapferkeitsmedaille und Ehrenmedaillen in Gold vom Kaiser verliehen.

Dr. Anton Schneider 1777 – 1820, Rechtsanwalt, stammte aus Weiler im Allgäu. Er stand nur einmal als Kommandant im Weiler Heimatregiment ohne Erfolg im Feld und war nicht in der Revolutionsbewegung tätig. Erst nach erfolgreichem Rauswurf der Besatzer wurde er von der Österreichischen Verwaltung in Tirol durch Intendant Hormayr als Generalkommissär eingesetzt. Dr. Schneider gab sich den Württembergern bei deren Einmarsch gefangen und rettete sich so vor dem Französischen Kriegsgericht.

Major Josef Sigmund Nachbauer geboren 1759 in Rankweil, verheiratet mit Elisabeth geb. Köchle aus Altenstadt bei Feldkirch, drei Kinder, Lehrer und Landwirt, auch in vielen verwaltenden Dingen in seiner Gemeinde tätig. Seine Eltern stammten beide aus Fraxern.

Erst Leutnant, dann als Oberleutnant Kommandant der Scharfschützenkompanie Rankweil mit Beförderung zum Hauptmann.

Der berühmte Vorarlberger Führer wurde mit der großen, goldenen Medaille geschmückt und dabei vom Gubernium das Gutachten abgegeben: „Schon im Jahre 1796 wurde von ihm der Landsturm aufgeboten, angeführt und der Feind hindurch verhindert, in den oberen Teil des Landes vorzudringen. Am 22. März 1799 war er mit seiner Abteilung von 55 freiwilligen Schützen in einem Kamikazeunternehmen auf dem Schellenberge dem Feinde in den Rücken gefallen und hat dadurch den glücklichen Ausschlag dieses wichtigen Gefechts erleichtert. Er hat bei der Schlacht am 23. März 1799 bei Feldkirch mehreren von den weit stärkeren Feinden gewagten und immer heftiger erneuten Stürmen gegen den Margarethenkapf mit seiner Mannschaft mit entschlossenem Mute ausgehalten, mit vielen Verlusten zurückgeschlagen. Auch errettete er durch Umsicht und strategischem Geschick dreimal Feldkirch in dem er vom Feldherrnhügel Blasenberg jeweils seine Ordere - Vorschläge den Landständen vorlegte.

Am 13. Juli 1800 hat er ebenfalls bei Rankweil - Feldkirch mit der größten Gefahr vom Feinde umzingelt und aufgerieben zu werden, seine Mannen vorgeführt und das Verdienst des glücklichen Ausganges dieses Gefechtes unstrittig nach Zeugnis des Herrn Generals Jellachichs „sich zu eigen gemacht.“

Oberkommandant des Schützenbataillons Gericht Rankweil, 1809 zum Major ernannt als Landeskommandant der Landwehr und Anführer der Revolution 1809 in Vorarlberg!

Große Tapferkeitsmedaille und Ehrenmedaillen in Gold. Er starb bald nach dem Tode seines Töchterchens Anna Maria, als Gefangener an Wassersucht durch geschwächtes Herz am 25. Oktober 1813 in Ingoldstadt. Auf den Tag 13 Jahre nach dem Tod des legendären Hauptmanns Johann Josef Battlogg von Montafon.

Sein Adjudant 1809 - Schützenmajor Johann Ellensohn geb. am 5. September 1759 in Meschach ob Götzis. Verheiratet mit Maria Mittelberger, zwei Kinder. Gastwirt zum Goldenen Adler in der Dr. Heinzlestraße in Götzis. 1796 als Oberleutnant der Götzner Miliz zum ersten mal ins Feld gerückt, war er später 1805 Hauptmann der Schützenkompanie. Kommandant des Regimentes Gericht Neuburg 1809 und Kommandant der Landwehr Milizkompanie Götzis. Zum Major ernannt als Regimentskommandant Oberland und Landeskommandant - Stellvertreter Josef Sigmund Nachbauers.

Schicksalhafte Verarmung nach dem Kriege erforderten sein Umsiedeln nach Hörbranz, wo er bis zu seinem Tode als Zollwachebeamter in der Kanzlei sein wenig Geld verdiente. Zu alle dem erlitt 1820 seine Tochter durch einen Absturz im Gebirge mit 21 Jahren lebenslange Behinderung durch eine Hüftluxation.

1798 silberne Ehrenmedaille. 1802 große goldene Tapferkeitsmedaille. Johann Ellensohn starb am 22. Oktober 1822 durch Krankheit und Schwäche, anlässlich ehemaliger Kriegsstrapazen

Hauptmann Landammann Johann Andreas (Andrä) Watzenegger 1773 – 1834 stammend aus Fraxern, wohnte in Weiler gegenüber der heutigen Gemeinde und Kirche. Säckelmeister im Gericht Sulz. Er war Kommandant einer Schützenkompanie, wie die meisten Landammänner, jener der Scharfschützen von Sulz und Neuburg.

So war er schon 1796 mit am Kobelpass und stand mit seiner Kompanie bis 1709 im Feuer der anbrandenden Feinde als einer der revolutionären Anführer mit Siegmund Nachbauer auch an der Allgäuer Front.

Große Tapferkeitsmedaille und Ehrenmedaille in Gold.

Später war er Ortsvorsteher der Gemeinde Weiler auch bekannt als Organist und Zahlmeister. Uhrgroßvater von Dichterin Anna Hensler.

Major Bernhard Riedmiller, Geboren 1757 in Nähe Memmingen, verheiratet. Wirt des Gasthauses zur Krone in Bludenz. Oberkommandant des Schützenbataillons Gericht Bludenz, Kommandant der Scharfschützenkompanie Bludenz. Anführer eines Kamikazestoßtrupps.

Mit Adjudant von Josef Sigmund Nachbauer, Hauptmann Ellensohn und nach der Vorarlberger Besetzung, Oberkommandant mit Mj. Marberger und Mj. Firler, der Oberinntaler Schützenkompanien 1809.

Große Tapferkeitsmedaille und Ehrenmedaille in Gold. Riedmiller verarmte durch den Krieg mit seinem Gasthaus und zog nach Wien wo er in die Kaiserliche Armee eintrat.

Major Christian Müller war ein Bludenzer. Er war Hauptmann im Kaiserlichen Militär als Adjudant von Feldmarschallleutnant Jellacic in Graubünden und in Vorarlberg. Er blieb aber im Land, als Jelacic abberufen wurde und führte dann auch zeitweise andere Schützenkompanien wie zum Beispiel einmal eine Schweizer Emigrantenkompanie vom Bataillon Monogetta. Auch eine Bludenzer Milizkompanie und in den Kampf am Klien die Feldkircher Jungschützenmilizkompanie. Er war bekannt als einer der “schärfsten Kommandanten.“ Müller starb als Pensionist Major a. D. zu Pressburg am 3. Mai 1851. Große Tapferkeits und Ehrenmedaillen in Gold.

Major Landammann Johann Peter Sutterleiti, (heute Sutterlüti) geboren 1759.

Adlerwirt, später auch Vorsteher zu Hittisau. Oberkommandant Bregenzerwald und Kommandant der Milizkompanie Hittisau. Als Sütterlüti mit einem Schützen über einen Zaun sprang, zischte gerade eine Franzosenkugel zwischen seinen Beinen hindurch, traf eine Zaunlatte und streifte seinen Kameraden Bilgeri. Erschrocken und kreidebleich sah Bilgeri den Sutterlüti an. Allein dieser rief ihm zu: “Kumm nu Franz! Dia isch ummi! Dia häatt üs net golta!“

Als einer der Vorarlberger Stände – Repräsentanten nahm er an der Huldigungsfeier für den Kaiser am 27. Mai 1816 in Innsbruck teil.

Er starb am 7. Juli 1827. Große Tapferkeitsmedaille und Ehrenmedaille in Gold.

Schützenkurat Pfarrer H. H. Franz Josef Seyfried, gebürtig aus Röthis, Pfarrer in der Pfarre Röthis. Der bemerkenswerte Dichter äußerte schon vor den besprochenen Ereignissen den Wunsch, für Religion und Vaterland bei den Mannschaften der Sulner Land und Scharfschützenkompanien als Feldkaplan zu wirken. Eine diesbezügliche Eingabe an die Stände des Landes wurde am 27. Mai 1800 mit Freuden bewilligt und Seyfried zu Hauptmann Landammann Watzenegger der in Weiler wohnte und seiner Sulner Scharfschützenkompanie, welche damals grad in Mäder am Rheine stand, zugeteilt.

Dieser Priester hat sich überhaupt große Verdienste in dieser stürmischen Zeit erworben. Ein Schriftstück, gefertigt vom Feldkircher Landammann Josef Kessler im Namen der Stände des Landes, stellt ihm das ehrende Zeugnis aus. Er beherrschte die Franzosensprache und konnte so als Vermittler direkt mit den Feinden verhandeln. Bei den Excesse der Franzmänner wandte er ein paar mal die ärgsten Dinge ab. Speziell am kritischen 13. Juli stand er unerschrocken im feindlichen Feuer und tat seine Pflicht. Er spendete oft den Verwundeten Freund und Feind die letzte Ölung, ja er sprang sogar vor und brachte in höchster Not und mit Daransetzung seines eigenen Lebens einen anderen schwer verwundeten Schützen durch Deckungsschutz der Kameraden, diesen in Sicherheit, gerade als die Feinde in gefangen nehmen wollten. Er wird den Ständen bestens empfohlen. Kleine Tapferkeitsmedaille in Gold und Ehrenmedaille in Gold.

Als Dichter hat Hw. Schützenkurat Pfarrer Seyfried den Kampf um Feldkirch und überhaupt die schweren Kriegsjahre besungen

In einem langen achtzeiligen Poem schildert er den Freiheitskampf, die Leiden und Siege seiner Landsleute; speziell über den 13. Juli 1800 auch am Weitried singt er:

„Der Landmajor gibt den Zeiten nach und bleibt noch treu und bieder, den Kriegsmann deckt sein Schindeldach und seine Hand ergreift nun wieder, den Stutzen, noch vom Kampfplatz warm und steht im Sommer voll der Stärke, am Rheinstrom sonder Gram und Harm und übt als Bürger Heldenwerke.

Ihr Schützen! Höret das Rheingebrüll, das Euch den nahen Tod verkündet, da trauernd sich die trübe Ill vom Veitskapf dem Rhein entgegen windet!

Verlasset doch Meiningens Quell, wie zischen schon des Todes Zungen, die Feinde nah, ach!

flieht schnell sonst werdet ihr vom Heer umrungen!

Sie fliehen nicht aus ihren Au´n ! Wie meinem Aug die Trän entfallen, da Reiter meine Brüder hau´n, die fliehend jetzt im Riedbach wallen, wo ihre Hand mit Fluten ringt, indessen blanke Schwerter blinken, da Ross und Mann durchs Wasser dringt, in welchem bald die Dulder sinken.

Denn sieh! Obwohl die Nacht beginnt und uns´re Kaisertruppen weichen, so steh´n die Schützen stark gesinnt, im Schlachtfeld noch, wie Deutschlands Eichen......

Kapuzinerpater Paul Styger. Revolutionär der Kirchlichen Seite, war er anfänglich in der Schweiz das, was Haspinger in Tirol verkörperte. Als Waffennarr und Patriot auch dem Alkohole nie abgeneigt, war er dann einige Zeit Pfarrer in Buch und natürlich bei den Einsätzen der Schützen dabei. Zentrale Führungsrolle spielte er aber keine.

Unterleutnant Gerichtswaibl Mathäus Frick. Er war ziviler Anführer am Kobel in Götzis wo er diesen mit seinem Sohn Georg, Bürgern und Bauern lange Zeit vorerst ohne Militärformation erfolgreich verteidigte. Frick stand bis 1800 in der Landwehr Milizkompanie Rankweil unter Hauptmann Walser als (Unter) leutnant.

Er ist im Kampf beim Weidried auf dem “Weiler Felde“ gegen die Franzosen gefallen wo er als Gefangener jeglichen Pardon von sich wies.

Oberleutnant Johann Georg Frick der Sohn von Gerichtswaibl Mathäus Frick stand in der Götzner Milizkompanie von Hauptmann Johann Georg Bauer. Die kleine Goldene Medaille ward dem Götzner Josef Zipper zuteil. In der Urkunde dazu heißt es: „Aus eigenem patriotischen Antrieb Landesverteidiger gesammelt, das Defilee bei Koblach besetzt und das fernere Vordringen des Feindes dadurch aufgehalten wie nicht minder in dem Gefechte vom 13. Juli 1800 mit einer Abteilung von 20 Mann einen Ausfall bei St. Arbogast gewagt und die Flanke des Feindes beunruhigt. Belobigungsmedaillen erhielten:

Johann Georg Frick Oberleutnant, Jackob Längle- Unterleutnant, Michael Gantner Sulz- Unterjäger, Georg Gantner- Gemeiner, Michael Madlener Gemeiner, Georg Madlener Gemeiner.

Hauptmann Lorenz Rhomberg

Kommandant der Milizkompanie Dornbirn an der Front Neuravensburg. Gründer der ersten mechanischen Spinnerei in Dornbirn und Vorarlberg

Oberst Roverea, Kommandant des ungefähr 1.000 Mann starken Schweizerischen Emigrationsschützenverbandes. Sie trugen einen dunkelgrünen Waffenrock, ähnlich der Scharfschützen mit Kragen Unterfutter und Aufschlägen aber in schwarz, gelbe Knöpfe, schwarzem Brusttuch, graue oder schwarze Stoffbundhosen oder graue Hosen lang für den Winter und einen hohen Zylinderhut mit einer aufgeschlagenen Krempe. Am 8. April erfolgte in Neurafensburg die Angelobung der Truppe und Weihe der Fahne. Später kamen noch vier Emigrantenregimenter dazu, nämlich jenes von Bachmann, von Brechainville, von Managetha und das Bündnerische Jägerregiment unter General Anton von Salis-Marschlings. Sie kämpften hauptsächlich in der Schweiz und vor allem auch in Vorarlberg ergänzend unserer Schützenkompanien. Später landeten sie unter Abenteuerlichen Erlebnissen in Salzburg im Einsatz an der Seite Pfarrer Haspingers und seiner Tiroler, wo sie dann Ende Krieg aufgelöst wurden und in ihre Heimat abgingen.

Oberstleutnant James Ernst Freiherr von Williams wurde von den verbündeten Engländern Schiffsoffizier, Kommandant und leitender Kapitän als Seele zum Unternehmen der Seefahrt, zur Verteidigung auf dem Bodensee mittels Flottille. Später am Zürichsee und dann nochmals am Bodensee. Sein Adjudant war Schiffskapitän Fulkonis, ein gebürtiger Bregenzer, der viele Operationen auf dem See selbständig leitete und kommandierte. Die Gelder zur Bezahlung der vorher genannten Schweizer Emigrationsregimenter so wie der Schiffsmannschaften wurden man höre und staune, vom Englischen Sold unterhalten.

Geplant war die Ausrüstung von zwanzig Schiffen, 14 davon sollten zu schweren und wirkungsvollen Kanonenbooten ausgebaut werden. Ergänzend dazu sollte man schnelle Jagd und Patrouillenschiffe bilden. Alle weiteren Schiffsoffiziere dieser zukünftigen Kleinarmada, waren französische Edelleute des Ancien Regime, die meisten aus der Provence stammend. Sie standen im Alter von 25 – 28 Jahren und hatten alle zwischen 12 und 21 Jahre Seeerfahrung.

Die Mannschaft rekrutierte sich hauptsächlich aus den Seegerichten Hofrieden, Bregenz, Hofsteig Hard und Höchst-Fußach. Der zweite Ausschuss von Grünenbach, Hohenegg, Sulzberg, Langen bei Bregenz und Alberschwende mussten im Falle des Einsatzes die Deckung der gefährdeten Orte übernehmen. Der Artilleriepark der Schiffe bestand aus zwei Zwölfpfünder, vier Sechspfünder, vier Haubitzen und zwölf fahrbare flexible kleinere Kanonen. Natürlich waren etliche alte Hakenbüchsen auch noch in Verwendung. Die Schiffsmannschaften mussten 1799 auch aus Soldaten des Regimentes Bendern Nr.41, später aus Peterwardeinern Grenzern ergänzt werden. Aber auch weitere freiwillige Vorarlberger konnten auf diesen Schiffen ihren Dienst versehen, mit dabei oft auch unsere Scharfschützen und Milizen des Landes.

Verbindungsoffizier und Meldereiter, Schützenleutnant Franz Fidelis Jubele.

1773 -1824. Er war gebürtiger Tiroler und wohnte in Vorarlberg. Von Beruf war er Maurerpolier in Götzis. Hirn nennt ihn in seinem Werke zweimal.

Anfang der Franzosenkriege stand er unter der Milizkompanie Götzis und wirkte in so manchen taktischen Kampfsituationen als Meldereiter, Kurier und Verbindungsmann auch nach Tirol. Er kämpfte nach der Besetzung Vorarlbergs, bei den Streitscharen am Arlberg.

Am 24. November am Arlberg griffen die Baiern nochmals unvermutet und übermächtig an und Franz Fidelis Jubele soll aus dem Oberinntal im Wirtshaus zu Blatils, wo er eben beim Frühstück saß, Thal auf geflüchtet sein, einen Stiefel an den Füssen und einen in der Hand. Noch wurde der Feind zurückgeschlagen.

Jedoch war dies der letzte Sieg der Tiroler und Vorarlberger in Tiroler Oberinntal, die letzte Zuckung des Aufstandes. Schon am Tage darauf mussten die Paznauner ihre Waffen abliefern und die Führer ergaben sich. Jubele entkam durch das Fimbatal ins Samnaun und von nun an gehörte er wie auch Hofer zu den Heimatlosen, von Bayern und Frankreich geächteten Flüchtlingen, von denen manche bis nach Spanien und die Türkei, er sogar nach England und Russland gelangten.

Nach dem Zusammenbruch der Fronten, flüchtete Jubele nach England. Im Jahre 1811 wurde er dann von der dortigen Regierung mit anderen Tiroler Freiheitskämpfern über Schweden, nach Russland gesandt, denn im Französischen Machtbereich durfte er sich nicht sehen lassen. Man findet ihn später in St. Petersburg als Schützling des Schwedischen Gesandten Graf Armfeldt.

Die Bayerische Polizei hatte hinter ihm einen Steckbrief verschickt. Danach war er 38 Jahre jung, 5 Fuß und 9 Zoll hoch, hatte eine platte Nase, ein Bronze gegerbtes Gesicht, braunrotes Haar und Backenbart. Er wäre auch starker Schnupfer; so schilderte ihn der Feind.

Anders klingt es beim Freund. Arndt nennt ihn ein stattliches schönes Mannsbild und einen ehrbaren prächtigen Menschen, als ein rechtes Bild eines freien Deutschen Mannes.

Geschnupft mag er allerdings gerne haben. Auch bei Arndt sehen wir ihn mit seiner Schnupftabakdose vom Holze des Admiralsschiffes von Nelsen mit Gold gefüttert. Der Englische Prinzregent selber hatte sie ihm geschenkt.

Es war damals ein bewegtes Leben in St. Petersburg, bunt und wirr, wie in einem Feldlager, wo alles zum Kampfe rüstet. Wer Napoleon hasste, wer gegen ihn streiten wollte, war herbeigeeilt, vorab die Preußen. Da war von Frankreich aus Berlin verbannt, der Exminister von Stein, da waren Preußische Offiziere zuhauf, welche die Fahnen ihres Königs verließen, weil sie vermeinten, im russischen Heer für ihn besser fechten zu können; da war auch Arndt, der Rufer nach Deutscher Freiheit und Größe und ließ als kein Fußbreit Deutscher Erde mehr frei und unabhängig war, auf den Schneefeldern Russlands sein schönes stolzes Lied erklingen „Was ist des Deutschen Vaterland!“

Und alle diese Männer drängten zum Kampfe und warteten ungeduldig darauf mit ihnen die Besten und Tapfersten des Russischen Volkes. Wie eine Lawine sollten sich die Heere des Zaren hinter den Franken herwälzen, durch Polen, durch Deutschland und diese aufrühren und an sich ziehen und Napoleon zermalmen.

Auch Jubele und seine tirolischen Gefährten sollten Anteil an diesem Kampfe haben. Ein zweiter Aufstand Tirols war geplant, und sie würden sobald es an der Zeit wäre, das Volk ihrer Heimat zu neuem Streite rufen.

Allerdings war man noch lange nicht so weit. Noch war Napoleon Sieger, und als Rotopschin Moskau in Flammen aufgehen ließ, um den Feind zu vernichten, zitterte ein Entsetzen durch Russland wie über ein Verbrechen. In Hütten, in Palästen schrie man nach einem verderblichen Frieden. Zwar stand der Zar noch fest, aber selbst seine Mutter, selbst sein Bruder, der Großfürst Konstantin, rieten und flüsterten, Frieden, Frieden.

Da scheint es nun, dass von Stein und sein Kreis es für gut befanden, der Zarin die Meinung des Deutschen Volkes über die Rheinbundfürsten zu sagen, die auch allzu sehr Frieden gemacht und sich unterworfen hatten und dass sie dazu Jubele benutzten, der die Kaiserin damals noch nicht kannte.

Arndt erzählt:“ Hier in Petersburg erschienen auch einige eben aus England zurückgekehrte Tiroler, unter diesen ein prächtiger Mensch, auch Tiroler aber aus Vorarlberg, Franz Fidelis Jubele, ein 40 Jähriger, ein rechtes Bild eines stattlich freien Deutschen Mannes.

Um diesen riss man sich in allen Gesellschaften und ließ sich die Taten und Leiden des Tiroler Freiheitskrieges und seine Audienz bei seinem Kaiser Franz und beim Prinzregenten von England und seine Gespräche mit ihnen erzählen und seine Tiroler Kriegs und Volkslieder, auch schimpf und Schandlieder über der Rheinbund und die Französischen Württemberger und Bajowaren, vorsingen.

Er war oft bei der Herzogin Antonie von Württemberg, Geborene Herzogin von Sachsen – Koburg, (eine Verwandte der Zarin), gewesen, welche die Weisen seiner Lieder auf dem Klaviere zu begleiten pflegte. Da war er ganz zahm und heimlich und nach Art der Alpenbewohner, zutraulich geworden. Die Herzogin hatte ihrer Verwandten, der Kaiserin von diesem ergötzlich fremden Vogel erzählt und diese wünschte ihn zu sehen und zu hören.

Dem General Armfeldt war von der Herzogin aufgetragen worden, ihn an einem bestimmten Abend herzubringen. Dieser hatte ihn zu Mittag geladen und sein Gemüt mit edlem Wein aufgefrischt. Jubele kam, schwatzte, erzählte, sang, alles in prächtigster Tiroler Lustigkeit und Fröhlichkeit und ward für seine Erzählungen und Lieder in den lebendigen lustigen Ton gesetzt.

Als nun die Mitternacht nahte, die Herzogin aufstand und alles sich erhob, trat die Zarin aus ihrem Versteck unter den Hofdamen hervor und machte sich freundlich an den Tiroler aus Vorarlberg, sprach mit ihm über Schwaben und den Rhein und bat ihn, wenn nun die Tiroler und er, sich bald wieder bewegten und Gott ihnen Sieg gebe, möge er ihrer Fürbitte und dieses Abends gedenken und in Bayern und Schwaben nicht zu wild hausen.

Er der im freien, fährlichen Lauf war, entgegnete ihr kühnlich und frisch und sprach nach erzürnter Tiroler Weise über die Könige von Bayern und Württemberg und über ihren Bruder, den Großherzog von Baden , keine leichten glimpflichen Worte.

Als sie dies lächelnd angehört und ihre Bitte wiederholt hatte und der Tiroler aus Vorarlberg noch wie Abschied nehmend vor der hohen Frau dastand, fasste ihn der Schalk Armfeldt und sprach: „Wissen sie lieber Schützenleutnant Jubele, mit wem sie sprechen? Es ist die Kaiserin.“

Bei diesen Worten erblasste der Tiroler und schrak zusammen und sich aller tief zur Erde neigend, stotterte er: „ Euere Majestät halten zu Gnaden! Ich wusste nicht, dass sie da waren, ich glaubte halt, sie seien eine Hofmagd.“

Dies ist die bekannte Geschichte, welche Arndt berichtete. In der Tat war es ein schlimmes Spiel, welches man mit dem armen Jubele getrieben. Die Zarin zwar verübelte dem Schützenoffizier keineswegs, war er so frei und unbefangen gesprochen und suchte ihn freundlich zu beruhigen. Er aber ging zitternd davon und als Arndt ihn am nächsten Morgen besuchte, lag er krächzend zu Bette. Er hatte Brechmittel genommen und auf die Frage, wie er plötzlich so hustend und matt geworden, antwortete er, das sei gestern schlimmer gewesen als eine Franzosenkugel aus dem Stutzen. Die Kaiserin sei ihm auf die Brust gefallen

Die geplante Verwendung Jubeles und seiner Tiroler Schützen entfiel übrigens. Denn nach der Vernichtung des Franzosenheeres in Russland, und der Leipziger Völkerschlacht, beeilte

sich Bayern, mit Österreich jenen Geheimvertrag zu schließen, in dem es sich zur Zurückgabe Tirols und Vorarlbergs verpflichtete, so dass keine zweite Volkserhebung in diesen Ländern nötig wurde.

Jubele aber machte in Russland sein Glück. Stattlich, schön, voll Witz und gewinnender Lebenslust wie er war, hatte er sich in den Hofkreisen einflussreiche Gönner und Freunde erworben. Sie verschafften ihm das Amt eines Generalpostmeisters, sodass er ein angesehener Herr im fremden Land wurde. Wohl fallen nun Schatten auf ihn. Doch wir müssen uns vergegenwärtigen, dass dieser arme Maurer, der sich plötzlich aus den gewohnten einfachen Verhältnissen herausgerissen und in eine glänzende, verschwenderische, üppige Umwelt versetzt sah, einem entwurzelten Baume glich. Er fand in sich nicht genügenden Halt und lernte russische Art. In der Heimat hatte er, der Witwer gewesen zu sein scheint, bei seiner Flucht einen kleinen Sohn zurückgelassen. Diesen wollte der Zar in eine russische Kadettenanstalt geben und Jubele schickte um ihn, die Gemeinde Götzis aber weigerte sich, den Knaben ziehen zu lassen, es sei da eine blinde Base, diese müsse er später unterstützen, damit sich nicht immer der Gemeinde zur Last falle. So wurden seine Nachkommen unserem Lande erhalten. Jubele selbst verblieb bis zu seinem Tode in Russland. Ob ihn später engere Bande dahin knüpften, ob ihn nie die Sehnsucht nach den Alpen mit ihren tannendunklen Bergen befuhr, nach dem Deutschen Heimatdorf am jungen Rhein, nach dem biedern, schlichten Volke dort, nach dem Sohne, oder ob er diesen vielleicht darum nicht nachdrücklicher begehre, weil er im tiefsten Innern fühlen mochte, aller Glanz der Zarenstadt wiege die Güter der Heimat niemals auf; dies alles wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass er im rüstigsten Mannesalter anno 1824 in St. Petersburg verstarb. In seiner Heimat Götzis in Vorarlberg jedoch, erzählte sich das Volk noch lange wie eine Sage, dass er dereinst als großer vornehmer Herr in einem mit vier Pferden bespannten Wagen auf Besuch ins Land gekommen sei und in Tirol wussten sie sogar, er sei ein mächtiger russischer General geworden, aber Neider und Feinde hätten ihm aus dem Leben geschafft.