Hauptmann Josef Speckbacher beim Kaiser in Wien
Sohn Anderl´s Heimkehr
Dass er wieder fort müsse, war gewiss. Der Abschied von seinen Lieben war bitter hart, aber die Flucht über das Gebirge war glücklich und gegen Ende Mai war Speckbacher in Wien. „Dem Kaiserbürschle und seinen Brüdern wolle er schon sagen, wo Hofers Bartle den Most hole und dass sie sein Land auf schäbigste Art und Weise verraten hätten und in Stich gelassen und dass alle Gefallenen allen voran der Anderl Hofer umsonst gelitten und geblutet hätten. Na wartet, es Weanar Schwänz es, es, es, euch wasch i schon noch de Kappen“ meinte er.
Das konnte er auch vehement beim Kaiser anbringen, in seiner rauen Tiroler Art und es hat ihn schon das Gewissen gepackt, den Kaiser und seine Herren, aber so meinte dieser, es war halt nicht einfach und in Dingen der Strategie hätte er halt des Karles Armee und Johanns Truppen in Wean gebraucht. „S´war trotzdem zu spät und hat alles nichts genützt, so oder so“ gab sich Speckbacher dann doch halbwegs einsichtig.
Und um den Hofer, das tat auch den Wienern weh, hatte der Kaiser viel zu spät von der bevorstehenden Hinrichtung erfahren und konnte seine Intervention zur Begnadigung zu spät als Briefsendung anbringen weil das Handy für ein SMS erst 200 Jahre später auf den Markt käme. Auch sei zu dieser Zeit der Hofer Bayerischer Bürger gewesen und hätten die Walschen kein Recht gehabt über ihn zu urteilen. Des Protestschreiben sei schon beim Napoleon gelandet aber wia der Anderl selber immer gemeint hätte, “Dass es eh nichts nutze und er es nicht richten hätte können, aber damit er es gesagt hätte.“
Die hohen Herren hatten viel Getue um den Bäuerlichen Helden und ob sie es wirklich so meinten oder nur so taten, das konnte man im damaligen Wean bei diesen hohen Herren früher wie auch in unserer Zeit niemals wirklich erfahren.
Jedenfalls heftete der Kaiser persönlich ihm die goldene Tapferkeitsmedaille und Verwundetenmedaille erster Klasse an seinen Schützenrock.
Dann schenkte man ihm ein Landgut in einer Sumpfgegend im Ungarischen Banat, das er bewirtschaften konnte wenn er wollte oder selber weiterverkaufen und das Geld ihm gehöre.
(Die junge Siedlung im Rumänischen Banat, in der sich 87 Tiroler Familien niederließen wurde durch die Kaiserliche Entschließung vom 16. September 1812 zur eigenständigen Gemeinde erklärt und erhielt auf Antrag Speckbachers den Namen “Königsgnade.“ Heute heißt das Dorf “Tirol“ und wird vom Land Tirol durch Di. Otmar Kronsteiner “Rumänienhilfe Tirol für Tirol“ unterstützt.)
Da wollte es dem Alpensohne nicht gefallen und ohne seine Familie schon gar nicht. Doch seine Gattin schrieb ihm, es gehe ihr schlecht genug und es sei ihr so hart, dass Tirol nicht mehr Österreich wäre, sie sehne sich unsäglich nach ihrem Manne und auch die Kinder nach dem Vater, aber ins Ungarland auswandern, nein lieber zu Hause betteln. So verzichtete auch Speckbacher auf das Gut im Banat und erwarb für dieses Geld im Dorfe zu Wien ein Häuschen. Aber auch hier wollte es seiner Frau nicht gefallen. Als die Speckbacherin von einem Besuche des selbst nach Tirol zurückkehren wollte, und zwar so rasch als möglich, weil sie erfahren hatte dass daheim ihre Kinder erkrankt seien, wurde sie in Salzburg von den Bayern in Haft genommen und 13 Wochen in München ins Gefängnis des Taschenturms gesteckt. Hier kam die arme unschuldige Frau fast von Sinnen, weil sie an ihre kranken Kinder dachte, die sie ohne Mutterpflege sterben und verderben sah. Ferner wusste sie in derselben Stadt, in deren Mauern in deren sie schmachtete ihren gefangenen Sohn, den Anderl ohne ihn sehen zu können. Man bedeutete ihr, dass man sie so lange gefangen halten werde, bis sie die Einbringung ihres Mannes vermittle. Da lachte sie wahnsinnig auf und rief, „so werde ich mein Leben lang keine Freiheit mehr sehen!“
Endlich sah man die Fruchtlosigkeit ihrer Gefangenschaft ein und ließ sie frei. Sie fand daheim ihre Kinder frisch und gesund. Der Zoppel hat sich ihrer in hervorragender Weise angenommen.
Als Speckbacher erfuhr, wie sie seinetwegen so lange im Gefängnis saß, entbrannte sein Zorn gegen die Bayern aufs Neue. Als er später wieder los ging, gegen die Fremdherrschaft, kehrte Speckbacher rasch wieder mit besten Empfehlungen des Kaisers und seiner Brüder, besonders Erzherzog Johann, nach Tirol zurück, um für die Unabhängigkeit seines Vaterlandes erneut zu kämpfen.
Tausend Gulden setzten die Bayern auf seinem Haupte aus. Heute Flüchtling, morgen wieder Häuptling, so verbrachte er die Tage in Not und Gefahren, unerschütterlich an den Freiheitsadler Tirols zu glauben und der Fahne Österreichs zu vertrauen.
Und sein Glaube wurde nicht zuschaden. Im Juni 1814 kam durch den Pariser Vertrag die Wirtschaftsregion Tirol mit Vorarlberg leider nur bis Hohenweiler ohne Allgäu wieder an das Kaiserhaus zurück. Die Tage der Prüfung waren vorüber. Speckbacher hatte in Majorswürde eine jährliche Gnadengabe von 1.000 Gulden. Mit reichen Auszeichnungen stellvertretend auch als ehemaliger Adjudant für seinen Kommandanten Andreas Hofer in hohen Ehren kehrte er nach Rinn zu seiner Familie zurück und übernahm wieder seinen Hof. Eines Tages an einem lichten Gottesmorgen kam ein nobler junger Bursch in grauem Studentenröckchen des Weges. Alle taten einen Freudenschrei als sie ihn sahen. Es war Anderl, der Sohn und Bruder. An diesem jungen Gefangenen hatte der König Max Ludwig von Bayern eine herrliche Königstat vollbracht. Aus Wiedergutmachung wenigstens zum Teil, ließ er den Sohn seines erbitterten ehemaligen Feindes nicht in den Kerker werfen, sondern nahm ihn in das Königliche Gymnasium auf, wo Andreas Speckbacher zu einem edlen tüchtigen Manne herangebildet wurde. Andi widmete sich der Bergmannswissenschaft, studierte später 1817 in Chemnitz und verlebte die erste Zeit seiner praktischen Tätigkeit im Gusswerk zu Mariazell in der Steiermark. Dann kam er nach Tirol und wurde dort einer der ausgezeichneten Montanistiker seiner Zeit. Er wurde Berg und Hüttenleiter in Jenbach.
An dem Vater Speckbacher, Ehrenmajor in seiner nunmehrigen Traditionsschützenkompanie, begannen sich, als er wieder in der Ruhe der Häuslichkeit lebte, bald die Folgen seiner Anstrengungen, Verwundungen und Entbehrungen zu äußern.
Als fröhlicher Mann zog er aber noch manchen Sonntag mit den Seinen in die Stadt Hall hinab. Dort sammelte sich oft ein Kreis von Zuhörern um ihn und er erzählte leuchtenden Auges von den Taten der Tiroler in den Tagen der Gewalt. Im Jahre 1820 erlag er als 52 jähriger Mann einer Nervenkrankheit. Auf seinem einfachen Grabstein im Friedhofe zu Hall lesen die Nachkommen folgende Worte.
“Im Kriege wild, doch Menschlich auch. Im Frieden still und den Heimatgesetzen treu.
War er als Krieger, Untertan und Mensch der Ehre und der Liebe wert.“
Andreas Hofer aber wurde 1823 durch die Kaiserjäger - Offiziere Hpt. Alexander Chevalier Roqueville, Hpt. Johann Rumpelmair, Hpt. Eduard Freiherr von Sternbach, Olt. Josef Schön und eben Lt. Georg Hauger, als Student aus der Vorderösterreichischen Hauptstadt Breisgau, mit noch 12 weiteren Studiokollegen freiwillig gemeldeter ehemaliger Scharfschütze der Scharfschützenkompanie Bregenz 1809, nach Innsbruck überführt und erhielt in der Schwarzmander Hof(er)kirche ein Ehrengrab. Noch heute benennen sich beide Heimatkompanien ihrer jeweiligen Namen als Andreas Hofer und Josef Speckbacher Schützenkompanien.
Das ist der Abschluss dieses damaligen Befreiungskampfes um das in einer EU heutige gesamte leider geteilte und südlich besetzte heilige Land Tirol. Nun führe ich Sie zurück in das Jahr 1796 zu Josef Siegmund Nachbauer und seinen Getreuen in den Befreiungskampf Vorarlbergs.
Impressionen: 1. Der Heimkehrer
