Zu den Trachten in Vorarlberg und Liechtenstein

Es ist eine triviale Feststellung dass es in allen Zeitepochen diverse Modeerscheinungen bis heute gibt. So sind die Kniebundhosen aus dem südlichen Teil unter dem Welschtirol stammend mit Hochblüte in der Biedermeierzeit im gesamten Europäischen Raum.

Man trug entweder Leder oder Stoffbundhosen. Im Winter war man eher der langen Loden Hose zugeneigt aber auch an Sonn und Feiertagen hatte sie im Nobelgewand Zukunft bis heute. Der Trachtenrock wurde als Kamisol bezeichnet. Er reichte bis zu den beginnenden Beinwaden und ist eher Städtischen nobleren Ursprungs. Die Jacke reichte nur bis unter das Gesäß. Die Joppe ist bis an die Lenden und die kürzeste Form. Darunter ein weißes Hemd und darüber ein Brusttuch ohne Ärmel, gemäß Bezeichnung nicht mit dem Halstuch zu verwechseln.

Rheintaler Werktagstrachten mit Bäurlichen - Bürgerlichen Männerhutformen

Der Trachtenhut war wie die gesamte Tracht entweder verschiedentlich einfach für die Arbeit oder nobel einheitlich für die Sonntage. Auch war der Lederranzen in der großen Monarchie als Tiroler Ursprung weit verbreitet. Er war der Stolz eines jeden Mannes und die Zier war ein persönliches Unikat in Stick, Federkiel, Geschnitz, oder als Malerei.

Man trug Halbschuhe oft mit einer Schnalle und sogar Federn wurden hineingesteckt, dazu waren oft die Schuhränder rot eingefasst oder man trug Gestiefelt. Natürlich waren früher die Lederhosenträger sehr in Mode und um den Hals trug man Witterungsbedingt immer ein Halstuch. Für noble Anlässe aber war die Halsmasche auch oft eine Zier.

Abgesehen vom selben Schnitt, jedoch in der Kragenform wie die heutigen zivilen, neuzeitlichen Anzüge mit verchromten neuzeitlichen Silberknöpfen, der Moderne angepasst, hat gerade im Vorarlberger Vorderland jede Musik eine andere farbige positive Erscheinung.

Dass man senfgelbe Brusttücher trägt, ziegelrote oder dunkelgrüne Schützenjackenfarbe in ziviler Form z. B. gemäß den Farben des modern Dorfwappens beinhaltend, keine Leibranzen (mit Ausnahme der einen oder anderen Musik von den Vlbg. Bergen), nur Mäschile und in keiner Musik im Rheintal einmal anders original ein Halstuch, ja auch der Hut ist Lechtaler Ursprung; original Vorderland tragen ihn die Meininger Musikanten. Siehe oberes Bild am Liebfrauenberg in Rankweil.

Einzig trägt die Weiler Musik genau diese Tracht, wie man sie im Vorderland sonntäglich getragen hat. Ausgenommen ist der Hut auch die blaue Trachtenjacke der Frauen, welche auch anders modernisiert ist und eben nicht gem. Original in schwarz mit 5 cm hellblauem Samtband umrahmt.

Ausnahme ist auch Röthis welche die Winzertracht der Männer original historisch aber, ihre Frauentracht in derselben Farbgebung von Mieder und Jäckchen wie ihre Musikkollegen, abkopiert, positiv belebt haben. Die frühere Vorderländer Frauentracht war auch wie die Männertracht eigencharakteristisch einheitlich und unterschied sich eben in den jeweiligen Talschaften und Gerichtsorten einheitlicher Regionaltracht der Sonntags oder verschiedener Werktagstracht.

Könnte man humorvoll sagen dass in der heutigen Moderne jedes Dorf nun ein eigenes Gericht darstellt? Nein, natürlich nicht. Dank meiner Initiative durch Jahrelange Recherchen, konnten die Musikvereine die bis damals unbekannte Frauentracht des Vorderlandes übernehmen und die Musikantinnen mit an dieser Tracht angelehnten Dirndln die zum Blasen gemütlicher sind und im Gegensatz der Frauentracht um ca. 500 Euro billiger, einkleiden.

So hätte man überall das original schwarze Trachtenjäckchen normalerweise mit einem 5cm breiten hellblauen Samtband umrahmt. Das Frauenjäckchen aber wurde den Musikanten, im Aussehen ihrer Jackenfarbe der Moderne ganz in blau, grün, grau etc., Militäreinheitlich kreativ in derselben Farbgebung positiv angepasst.

Im Vergleich heutiger modernisierter verschiedenfarbiger Gemeindetrachten im Rheintal, im Bezirk die Eine bunter als die Andere, hat man daher heute eher den Eindruck, diverse Werktagstrachten zu tragen. Für die Moderne besonders gut passend. Natürlich gab es verschiedenfarbene Werktagstrachten aber als zahlenmäßige große Einheit in solchen Werktagstrachten, etwas ungewohnt? Es gab nie eine Rheintaltracht? Aber für die Moderne ist vieles positiv machbar. Es gäbe z. B. die Montafoner, die Bregenzer, die Vorderländer, aber auch eine Feldkircher und Dornbirner, die Oberinntaler; die Zillertaler oder die Pustertaler Tracht usw. Dies war in Bayern oder in Salzburg, in Oberösterreich, in Ungarn und Slovenien etc. nicht anders.

Wir als Schützen tragen wie in Tirol unsere originale Tracht, auch die der Marketenderinnen, ohne Abänderungen; original Historisch. Das heißt, dass sie auch einen historischen Wert darstellt. Auch dürfen zukünftige Schützenkompanien niemals ihre jeweilige Tracht in Farbe oder Schnitt verändern.

So präsentiert sich der Trachtenverband in Tirol und Vorarlberg oft positiv kreativ, Modern in Schnitt und Aussehen, im Gegensatz der Schützenbund Historisch ohne Abweichungen.

Englisches Scharfschützenkontingent

Die dunkelgrüne Farbe und das typische Rot oder schwarz der Scharfschützen trugen zu dieser Zeit alle Europäischen Heere in ihren Scharfschützeneinheiten wie z. B. das Englische Riflekontingent, natürlich in jeweiliger anderer Schnittform.

Auch die Hutformen waren die Selben in ganz Europa. Meist trugen die Generäle den Schiffshut und die Offiziere den hohen Militärdreispitz, nicht zu verwechseln mit dem flachen Zivildreispitz, die Soldaten aber eigene Arten von Jackohüten. Natürlich ist auf den Photos und den Malereien nicht immer die eine von der anderen Hutform wegen dem Dunkel des Schwarz unterscheidbar. Der Unterschied der jeweiligen Heere in dieser Form zeichneten die Rosettenarten und die Federnarten bzw. deren Farben. Heute spricht das Volk bei einem Österreichischen Schiffshut vom Napoleonhut, weil er der Bekannteste war und so gibt es leider oft Unwissende die sich gern spöttelnd einen falschen Reim daraus machen.

Den Unterschied der Landwehr - Scharfschützen und Miliz bzw. Landsturm lesen sie unter der Rubrik : Die Geschichte der Kaiserschützen oder Regimente, Kompanien.....

Tyroller Trachten N: 36 (N: 37) aus der Gegend von Feldkirch in Vorarlberg, Lithographien 40 x 29 cm (Passeportut) Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, Inv. - Nr. 374 bzw. Lith. 375

Vorarlberger Frauen und Männertracht mit Halstuch aus dem Raum um Feldkirch und Rankweil

Die vorliegenden kolorierten Lithographien stammen aus der Sammlung von Nationaltrachten ehemaliger Region Tirol (u. a.) Bregenz, Bregenzer Wald, Montafon, Feldkirch des gebürtigen Konstanzers J. G. Schädler (1777 - 1840); die dieser ab 1804 in Innsbruck betrieben hatte.

Die Feldkircherin trägt eine blau - rote Schnürmiedertracht, dazu eine Bluse mit weiten Ärmeln. eine weiße Schürze und eine Haube, die sie als verheiratete Frau ausweist. Hier zeigt sich in einer Form die Ähnlichkeit der Tradition zum heute in Europa unverständlichen Tragen des Frauenkopftuchs verheirateter Türkinnen. In Kombination mit dem dunkelblauen Rock und der gestreiften weißen Schürze, verwundern die verstohlenen Blicke auf manch schöne Feldkircherin nicht. Wie so vieles, trägt man heute diese Frauentracht total verkehrt. Der heutige Rock ist schwarz und die Schürze hellblau. Auch diese eigene Art der Kopfbedeckung fehlt.

Der Feldkircher zeigt sich im typischen Städtischen Männerbeinkleid, dem Kamisol jener Zeit, der Kniebundhose, darunter das Brusttuch oder Weste mit darunter doppeltem grünen Stoff - Stegverbundenen Hosenträger, wie man ihn im Tirol ebenfalls oft sichtbar trägt.

Die heutige Tracht der Rankweiler so auch der Stadtmusik Feldkirch ist lobenswert aber leider Letztere ohne Dreispitz und die weiße Einfassung fehlend, dieser Vorlage nachempfunden.

Ein Herr namens Franz Lipp hat nachgewiesen, dass auf frühesten Österreichischen Trachtendarstellungen, meist auf Grabsteinen der romanisierten Keltischen Vorbevölkerung unserer heutigen Länder, u. a. die Frauen in Rätien, das sich, man höre und staune für solche Personen als "mir Vorarlberger und nur üsar Ländle", westlich des Ziller bis Vorarlberg erstreckte, bis in das 6. Jhdt. eine "Modius" (Maß) genannte Kopfbedeckung tragen. Es wundert kaum, dass auf solcherart vorbereitetem Boden uns in der historischen Tracht der Montafonerinnen diese "Mäßli" (kleines Maß) genannten Filzkappen noch im 20. Jhdt. begegnen. Den historischen Frauentrachten der Gebirgsthäler Vorarlbergs hat Lipp gar eine Rolle als "Leitfossil" zugewiesen, gerade weil hier besonders zäh an uralten Trachten- Gewohnheiten festgehalten wurde.

Zwischen 1780 und 1830 haben sich auch außerhalb der Täler auch die Regional und Lokaltrachten entwickelt. Dabei bestand offenbar das ungeschriebene Gesetz, dass die einzelnen Talschaften und Regionen streng darauf achteten, dass von ihren Eigenarten nichts in andere Regionen übertragen oder übernommen wurde oder wie es heutzutage der Fall ist Trachten ab zu ändern und zu modernisieren bis zur völligen Neugestaltung. Die Tracht wurde in der Folge zur Demonstration von Identität, sie fungierte als Zugehörigkeitsausweis.

Dieser Tradition verpflichtet sich das Schützenwesen der Region Tiroler Schützenkompanien von Welschtirol bis Vorarlberg.

Unten: "Die abgeholte Braut" stellt unzweifelhaft eine Bregenzerwälderin dar. In der schwarz glänzenden, reich gefältelten Juppe steht sie wie die Königin vom Schappele gekrönt, neben der detailverliebt wiedergegebenen Holzsäule im geschützten Eingangsbereich eines Kleinwalsertaler Hauses. Dem bergseitig an das Haus angefügten und traufseitig vorspringenden "Roßtel", dem Stall für das Saumpferd, verdanken wir diese bemerkenswerte Eingangssituation. Die Situierung des Brunnens im unmittelbaren Eingang ist atypisch und könnte dem Kompositionsbedürfnis des Künstlers Wilhelm Ludwig Friederich Riefstahl zugeschrieben werden. Der Brunnentrog selbst ist fotografisch genau festgehalten, nicht einmal die Hauswurz auf der Brunnensäule fehlt. An der auf dem Brunnenrand sitzenden jungen Frau mit dem roten Kopftuch, die das Wäschewaschen vorläufig unterbrochen hat, lässt der Künstler Montafoner Trachtenstudien erkennen. Am gedeckten Tisch schmaucht ein alter Mann, vermutlich der Vater der Braut sein Pfeifchen, neben ihm der Hofhund.

Gebührende Begrüßung der abgeholten Wälderin

Zinnkrug, Käse und Brot stehen bereit. Der junge Mann im Hintergrund, offensichtlich der Bräutigam, reicht der Braut ein Weinglas. An der Hauswand sitzt eine ältere Frau in der Kleinwalsertaler Tracht, das Kinn gestützt und betrachtet die Braut freundlich. Recht abwesend wirkt hingegen die an der Hauswand lehnende junge Frau in der Tracht des kleinen Walsertales mit einem Weinglas in der Rechten. Es könnte sich um die Schwester des Bräutigams handeln. Allem Anschein nach zeigt das Bild die gebührende Begrüßung der abgeholten Wälder Braut durch ihre Kleinwalsertaler Familie.

Ein wichtiges Werk Riefstahls, das eindruckvoll die Gründlichkeit seiner einzigartigen Trachtenstudie in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts belegt.